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Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit bei Google
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Zu den Grundlagen im Information Retrieval, also der Wissenschaft hinter Suchmaschinen gehören die drei Begriffe Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit. Worauf Google gerade den Fokus legt soll hier erläutert werden.

Was ist Relevanz ?

Relevanz ist eine Bezeichnung für die Bedeutsamkeit und damit sekundär auch eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst.„So lautet die Definition von Relevanz laut der deutschen Wikipedia.

Relevant ist etwas für Suchmaschinen wenn ein Dokument bzw. Inhalt in Bezug auf die Suchanfrage bedeutsam ist.  Die Suchanfrage beschreibt die Situation und den Zusammenhang. Diese Relevanz ermittelt Google über Textanalyse, wie z.B. WDF*IDF bzw. TF-IDF als auch Vektorraumanalysen wie z.B. Word2Vec.

Was ist Pertinenz ?

Pertinenz beschreibt die subjektive Bedeutsamkeit eines Dokuments für den Nutzer. Das bedeutet neben dem Match mit der Suchanfrage kommt eine subjektive Nutzerebene dazu. Sprich ein Dokument kann für den einen Nutzer bei der gleichen Suchanfrage interessant sein, für den anderen Nutzer vielleicht nicht. So kann ein SEO-Profi einen andere Erwartung und Anspruch haben wenn er nach dem Begriff Suchmaschinenoptimierung googlet als ein Einsteiger. Während ein Einsteiger viele Fachbegriffe noch nicht kennt sind diese einem SEO-Profi geläufig.

Was ist Nützlichkeit ?

Nützlichkeit schränkt neben den Bedingungen für Relevanz und Pertinenz die Ebene der Neuartigkeit mit ein. Wenn der SEO-Profi nach „suchmaschinenoptimierung“ googlet die Informationen in den Dokument aber schon kennt ist der Inhalt in diesem Moment nicht nützlich.

Der Zusammenhang zwischen Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit wird in dem Video vom geschätzten Kollegen Professor Dirk Lewandowski schön erklärt.

 

Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit in Bezug auf die Kontext-Ebenen

Ob etwas als relevant, bedeutsam oder nützlich empfunden wird hängt von allgemeinen Kontextebenen ab. Dazu habe ich das Modell des Kontext-Matrix erstellt:

Was ?

Die Frage nach dem Was ? ist mit Blick auf die objektive Relevanz zu stellen. Hier geht es um den Inhalt des Dokuments.

Wer? Wie ? Wo ?

Die Antwort auf die Frage nach dem Wer ? beantwortet die Frage nach der Zielgruppe. Diese ist für Pertinenz und Nützlichkeit wichtig. Genauso die Fragen nach dem Wo ? und Wie ?. So ist ein Inhalt für einen Einsteiger anders zu erstellen als für einen Profi. Und ein Einsteiger-Text wird an einem anderen Ort vermutet als ein Profi-Text.

Kontextebenen, die laut Google mit in das Ranking einfließen sind

  • Der Ort
  • Die Sprache
  • Die Zeit
  • Die verwendete Plattform
  • Die Verteilung auf verschiedene Datencenter

Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit beim Information Retrieval von Google

Die Suchmaschine Google versucht an verschiedenen Stellen des Information Retrieval Prozess Informationen zu analysieren, die eine Ausgabe von Suchergebnissen hinsichtlich Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit ermöglichen. Über das Query-Processing via Rankbrain versucht Google die objektive Bedeutung als auch individuelle Suchintention des Nutzers zu identifizieren.

Der Hummingbird Ranking-Algorithmus hingegen ist nur für das Scoring der Dokumente hinsichtlich der Suchanfrage verantwortlich. Also nur hinsichtlich Relevanz. Der „Personalisierungs-Layer„, den Google vor Auslieferung der SERPs noch mal finale anwendet soll hinsichtlich Pertinenz und Nützlichkeit funktionieren.

Diese Aussagen beruhen alle auf meiner Vermutung wie der Information Retrieval Prozess aktuell bei Google aussieht.

Theoretische Übersicht über den aktuellen Information Retrieval Prozess bei Google

Die Schwierigkeit hinsichtlich Pertinenz und Nützlichkeit für Google

Im Sinne der individuellen Pertinenz / Nützlichkeit versucht Google aber auch Dokumente nach dem individuellen Kontext des Nutzers in Reihenfolge zu bringen. Allerdings ist es hier nicht einfach das Spannungsfeld zwischen Diversität und Individualität in Balance zu bekommen. In den vergangenen Jahren hat Google sehr viel an der Personalisierung der Suchergebnisse gearbeitet (z.B. nach Such- und Klickverhalten oder Interaktionen der sozialen Kontakte bei Google+). Dort wurde ähnlich wie beim Facebook-Algorithmus immer wieder die berechtigte Kritik laut, dass es bei einer zu starken Personalisierung der Ausgabe  es zu einer einseitigen Darstellung von Sachverhalten kommt. Die Gefahr der „Filter-Bubble“ ist um so größer je individualisierter bzw. personalisierter eine Ausgabe bzw. Suchergebnis ist.

Das mag ein Grund sein warum Google hier die Personalisierung der Suchergebnisse wieder deutlich eingeschränkt hat. Kontextebenen wie Klick- oder Suchhistorie scheinen entgegen vieler Vermutungen keine Rolle mehr zu spielen. Damit stellt Google die Suchergebnisse mehr im Sinne der Relevanz als der Pertinenz / Nützlichkeit zusammen.

Keine maßgebliche Personalisierung der SERPs laut Google

Fazit: Relevanz ist aktuell wichtigstes Kriterium bei Google

Im Dreiklang aus Relevanz, Pertinenz und Nützlichkeit scheint auf der objektiven Relevanz derzeit den Hauptfokus bei Google zu liegen, was nicht heisst, dass sich das zukünftig wieder ändern kann. Das macht die Arbeit für SEOs weniger komplex, da man sich auf statische Faktoren wie die z.B. Content-Optimierung nach TF-IDF konzentrieren kann. Zumindest wenn man den Aussagen von Google den Glauben schenken mag, dass individuelle Nutzersignale kein direkter Rankingfaktor sind.

Zu Olaf Kopp

Olaf Kopp ist Co-Founder, Chief Business Development Officer (CBDO) und Head of SEO der Aufgesang GmbH . Von 2012 bis 2015 war er Geschäftsführer.Als begeisterter Suchmaschinen- und Content-Marketer schreibt er für diverse Fachmagazine, u.a. t3n, Website Boosting, suchradar, Hubspot ... und war als Gastautor in diverse Buch-Veröffentlichungen involviert.Zudem engagiert sich Olaf Kopp als Dozent und Speaker für SEO und Content Marketing in Bildungseinrichtungen sowie Konferenzen wie z.B. der Hochschule Hannover, Norddeutschen Akademie, CMCx, Campixx…Er ist Mitveranstalter des SEAcamps und Moderator des Podcasts Content-Kompass auf termfrequenz.Olaf schloss 2006 sein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing und E-Business als Diplom Kaufmann (FH) ab und beschäftigt sich seit 2005 mit Social Media Marketing, Google AdWords sowie SEO. Seit 2012 stehen digitales Branding, Content-Marketing und semantische SEO im Fokus seines Interesses.

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