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Influencer Marketing: Das Arbeiten mit Influentials

07.Mai 2013 - Inbound Marketing / Content Marketing, Social Media Marketing - Olaf Kopp

Influencer Marketing ist im Zeitalter von Content-Marketing bzw. Inbound-Marketing im Seeding-Prozess der entscheidende Abschnitt um Inhalte im Netz zu verbreiten und Verweise zu erhalten. Der nachfolgende Beitrag ist angelehnt an einen älteren Beitrag von mir (siehe dazu Influencer & Influentials: Die Multiplikatoren im Social Media Marketing).

Es scheint innerhalb sozialer Netzwerke Personen sogenannte Influencer bzw. Influentials zu geben, bei denen die Veranlagung zur Verbreitung von Memen ausgeprägter ist als beim Durchschnitt. Der in den 40er Jahren durch das amerikanische Consulting Unternehmen „Roper Starch Worldwide“ erfundene Begriff „Influentials“ scheint mir für die Bezeichnung der Gesamtheit der Schlüsselpersonen am passendsten.

Nach einer Studie der Washington Post aus dem Jahre 2003 verbringen Influentials mehr Zeit im Internet als mit jedem anderen Medium. Zudem ist das Internet für sie die wichtigste mediale Quelle für Kaufentscheidungen. Besonders die jüngeren EFluentials nutzen das Internet als Informationsquelle und Kommunikationsmittel. So ist das Internet nach der Umfrage der Washington Post das favorisierte Informations und Kommunikationsmittel bei den Befragten zwischen 18 und 34 Jahren. EFluentials besuchen im Gegensatz zu den meisten Menschen das Internet mehrmals täglich, was für einen überdurchschnittlichen Informationsdrang und großes Interesse an aktuellen Geschehnissen dokumentiert. Das führt dazu, dass sie zu den „Early Knowers“ gehören und dadurch auch oft zu „Early Adopters“ werden. Sie sind in der Regel Menschen, die sich mehr als der Rest („Late Knowers“) frühzeitig über neue Trends, Technologien und Produkte erkundigen und die ersten sind, die neue Produkte kaufen.

Die 5 Kategorien der Risikobereitschaft

Die Gesellschaft kann je nach Grad der Risikobereitschaft und Wissensstand bezüglich des Umgangs mit Innovationen in fünf Kategorien eingeteilt werden:

1. Innovatoren (Innovators)

2. Frühe Imitatoren (Early Adopters)

3. Frühe Mehrheit (Early Majority)

4. Späte Mehrheit (Late Majority)

5. Nachzügler (Laggards)

Während die Risikobereitschaft und der Wissensstand bezüglich neuer Produkte von Stufe zu Stufe abnehmen, steigt die Zahl der Imitatoren von Stufe zu Stufe an. Die Innovatoren bewegen sich oft in nur elitären Zirkeln und sind in der Gesellschaft oft Außenseiter. Sie haben nur einen sehr kleinen multiplikatorischen Effekt. Anders bei den frühen Imitatoren. Sie sind die effektivsten Influentials, die sehr früh Innovationen aufnehmen und über ihren gesellschaftlichen Status und ihr vorhandenes soziales Netzwerk Innovationen dem „Mainstream“ präsentieren. Sie sind entscheidend für das Erreichen der „kritischen Masse“. Sie können die Wurzel für ein in der Zukunft erfolgreiches Produkt oder ein Buzz sein. Dabei ist entscheidend, wie der Entscheidungsprozess (InnovationDecision Process) ausfällt.

Sie genießen eine herausragende Position innerhalb ihrer sozialen Netzwerke und schließen die Lücke zwischen den Innovatoren und der frühen Mehrheit. Diese „Early Majority“ macht 1/3 eines sozialen Systems aus. Sie ist offener für neue Produkte als der Durchschnitt und hält Kontakt zu den Opinion Leadern, um immer „auf dem Laufenden“ zu sein. Die Charaktere dieser Stufe bewegen sich oft zwischen verschiedenen Netzwerken und haben daher viele soziale Kontakte. Sie sind die effektivsten Multiplikatoren.

Das zweite Drittel eines Systems sind die Charaktere der „Late Majority“. Sie sind eher zögerlich was neue Trends angeht. Diese Gruppe adaptiert Innovationen nicht aus eigenem Antrieb, sondern erliegt dem Druck ihres Umfelds und sieht Innovation eher als notwendiges Übel an. Sie wollen auf Nummer sicher gehen. Die letzte Gruppe sind die Nachzügler. Sie gehören oft den unteren sozialen Schichten an und sind deshalb nicht in der finanziellen Lage neue Produkte zu kaufen. Sie sind sehr skeptisch was Veränderungen betrifft und brauchen oft sehr lange, sämtliche Zweifel an der Neuerung zu beseitigen.

Early Adopters und Innovators fällen Entscheidungen betreffend der Annahme eines neuen Produkts viel schneller als die restlichen Gruppen. So ergab eine Studie von Beal and Rogers im Jahr 1960 bei 148 Bauern, dass Innovators und Early Adopters viel schneller ein neu entwickeltes Saatgut adaptierten als die anderen Gruppen. Rope Starch Worldwide ordnet die Influentials in erster Linie der Gruppe „Early Adopters“ zu.

Auffällig ist, dass die Influentials meist aus den oberen sozialen Schichten stammen und gebildet sind. Durch den finanziell besseren Status sind sie eher in der Lage, sich die anfänglich teuren neuen Produkte zu kaufen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Diesen Vorteil ist aber nur für die Verbreitung von Innovationen, weniger für die Verbreitung von WOM. Für den Zusammenhang zwischen Bildung und effektiver Beeinflussung bzw. Verbreitung hat die Memetik wieder eine Begründung. Nach Susan Blackmoore macht einen memetischen Antrieb zur Kommunikation ein großes Gehirn und eine gut entwickelte Sprache wahrscheinlicher und damit lassen sich diverse Studien untermauern, die ergaben, dass Influentials oft gebildet und intelligent sind.

Influentials besitzen oft auch ein ausgeprägtes soziales Verhalten. „Altruismus“ ist ein in der heutigen Gesellschaft oft zu beobachtendes Phänomen. Nach Susan Blackmoore ist dieses ebenfalls durch die Memetik zu erklären. War es in der Vergangenheit üblich, insbesondere Verwandten zu helfen und sie zu unterstützen, hilft man heutzutage wildfremden Menschen z.B. durch Blutspenden, Geldspenden, durch eine Kaufempfehlung oder Produktbewertung. Die Memetik erklärt das Verhalten, indem es dem Altruisten mehr Kontakte zuordnet, die ihn mögen, als dem NichtAltruisten.

Und den Memen eines sympathischen „netten“ Menschen ist man selbst offener gegenüber. Da der Altruist beliebt und damit ein besserer Multiplikator für seine altruistischen Meme ist, verbreiten sich diese besser und es entsteht ein wachsender Altruismus in der Gesellschaft. Dieser Fakt schafft eine große Anzahl an potenziellen Multiplikatoren, die großen Einfluss auf andere Menschen haben.

Dieser Altruismus muss nicht unbedingt immer echt sein, sondern kann auch als Mittel zum Zweck dienen. Als so genannter „Memtrick“ eingesetzt kann er zu großem Erfolg führen, wie der Tod von Prinzessin Diana gezeigt hat. Neben dem echtaltruistisch orientierten DianaGedächtnisfonds verbreitete er dabei auch Millionen von Diana Memen in Form von Skandalen, Bildern, Spekulationen, Biografien und dem Text und der Melodie des Songs „Candle in the wind“.

Die Influential-Gruppen nach Rosen und Gladwell

Die einzelnen Arten von Influentials haben in der Literatur viele Namen. Gladwell unterteilt sie in Verkäufer, Vermittler und Kenner, während sie bei Emanuel Rosen „Social Hubs“ oder „Expert Hubs“ heißen. Egal wie man sie bezeichnet, verbinden sie bestimmte Eigenschaften, die verschieden stark je nach Gruppe verschieden stark ausgeprägt sind. Emanuel Rosen beschreibt in seinem Buch „The Anatomy of Buzz“ die Influentials, oder wie er sie bezeichnet, die Network Hubs, als ACTIVE. Wobei die einzelnen Buchstaben für die fünf Grundeigenschaften stehen:

Ahead in Option beschreibt die bereits erwähnte Fortschrittlichkeit in Sachen Technik.

Connected steht für die hohe Konnektivität durch viele soziale Kontakte. Manche sind sehr stark innerhalb ihres sozialen Netzwerks verknüpft, andere sind z.B. durch ihre Berufstätigkeit (Ärzte, Finanzberater, …) mit verschiedenen sozialen Netzwerken verknüpft.

Travelers steht für eine ausgeprägte persönliche Mobilität in Form von Reisen.

Information Hungry steht für den belegten Informations Hunger von Influentials bzw. Network Hubs. Sie wollen immer zu den ersten gehören, die über ein neues Produkt oder eine Botschaft Informationen erhalten. Das macht sie aber auch empfänglich für die Informationen der Wettbebewerber.

Vocalsteht für Kommunikationsfreude

Exposed to Media steht für eine Offenheit gegenüber Informationsmedien. So ergaben Studien, dass sich Influentials über sämtliche Massenmedien, insbesondere das Internet und Printmedien, die benötigten Informationen besorgen. Diese genannten Eigenschaften haben die meisten Influentials gemeinsam, wobei die Ausprägung unterschiedlich sein kann. Travellers und Connected sind soziale Eigenschaften, die einen „Social Hub“ ausmachen. Ahead in Option und Exposed to Media sind eher eine Eigenschaft eines „Expert Hubs“ oder TechFluentials.Diese „Experten“ sind in ihren sozialen Netzwerken bekannt für ihr Fachwissen und werden oft und regelmäßig von ihrem Umfeld um Rat gefragt. Laut einer Studie von Burton Marsteller mit 400 in den USA identifizierten Tech Fluentials setzen die Charaktere dieser Gruppe in höchstem Maße (83% der Befragten) auf neueste Technologien und sehen darin einen entscheidenden Vorteil. 92% besitzen BreitbandInternetVerbindungen, knapp 50% schreiben Nachrichten in Foren und anderen DiscussionBoards und 33% betreiben eigene Blogs. Zudem nehmen 81% regelmäßig Kontakt zu den Herstellern auf.

early_adopters

Alle diese Werte liegen weit über den eines Durchschnitts Amerikaners. Sie gehören zu den Early Adopters und den Innovators. Sie pflegen meist nicht sehr enge soziale Bindungen, aber durch ihre Stellung als Berater werden sie oft von den nächst höher gelegenen Adoptionsstufen kontaktiert. Gladwell teilt die Influentials in drei verschiedene Typen auf und schreibt den „Verkäufern“ und „Vermittlern“ viele soziale Eigenschaften wie die Konnektivität zu, während bei den „Kennern“ die Wissensseite ausgeprägter ist. Vermittler sind Leute mit besonderer Gabe, die Welt zusammenzubringen und meist im Alter zwischen Ende 20 und Ende 30. Ihr persönliches Telefon und Adressbuch ist um ein Vielfaches umfangreicher als beim Durchschnittsmenschen.

„Sie sind Leute, die wir alle in wenigen Schritten erreichen können, weil sie es aus irgendeinem Grund fertig bringen, viele verschiedene Welten und Subkulturen und Nischen zu besetzen.“

 

Vermittler sind meist in der Gruppe der Early Majority zu finden und spielen insbesondere bei der Verbreitung von massentauglichen Inhalten eine wichtigeRolle.

Kenner sind aktive Informationssammler und haben einen ausgeprägten Informationsdrang,der sie charakterisiert. Zudem ist bei ihnen der bereits erwähnte

Altruismus gut ausgeprägt. Sie helfen anderen Menschen sehr gerne, indem sie sie beraten und Empfehlungen ausgeben. Deswegen sind sie keine Expert Hubs, da sie anderen Menschen mit ihrem Wissen helfen wollen. Sie sind sozial motiviert. Expert Hubs sprechen nur über neue Produkte aufgrund ihrer großen Leidenschaft zum Produkt selbst. Die dritte Gruppe nach Gladwell sind die Verkäufer. Es ist diese Art von Menschen, der man aufgrund ihrer Energie, ihrer Begeisterung und ihres Charmes „alles abkauft“. Sie sind Meister der Überredung weniger über die verbale, denn über die nonverbale Kommunikation. Es sind Menschen, die aufgrund ihrer Körpersprache und ihrer Offenheit in kürzester Zeit das Vertrauen fremder Menschen erreichen.

Am besten ist die Klassifizierung nach den Eigenschaften mit einem Zitat von Gladwell selbst zusammenzufassen:

„In einer gesellschaftlichen Epidemie sind die Kenner die Datenbanken. Sie stellen die Botschaft. Die Vermittler sind der soziale Klebstoff. Sie verbreiten die Botschaft. Die Verkäufer überzeugen uns von der Botschaft.“

Einige wenige Personen sind aufgrund ihrer hohen Medienpräsenz oder ihrem gesellschaftlichen Status als Influentials, wie z.B. Analysten, Politiker, Moderatoren, Schauspieler, Musiker,… . Sind diese „Mega Hubs“ auch noch beliebt und gelten als „Einer von Uns“ dann sind diese Personen in Kombination mit den Kommunikationskanälen der Massenmedien ebenfalls machtvolle Influentials eine Kombination aus der Reichweite der Massenmedien und der Wirkung einer Empfehlung aus vertrauenswürdiger Quelle.

Egal in welche Gruppen man die Influentials letztendlich aufteilt, Fakt ist, dass sie aufgrund ihrer Eigenschaften wichtige Schlüsselpersonen für die Verbreitung von sich epidemisch verbreitenden Botschaften sind. Für die Setzung vonTrends geht an ihnen kein Weg vorbei. Durch das heutige Kommunikationszeitalter ist die Zahl der existierenden Meme stark angewachsen und effektive Memwirte bzw. Influentials sind aus diesem Grund bei Marketers heiß begehrt. Durch die große Zahl an Informationen ist besonders bei Influentials die memetische Selektion sehr ausgeprägt. Um diese Selektion zu überstehen muss man beim Influential eine Leidenschaft oder zumindest ein Überzeugung von dem Produkt bzw. dem WOM entwickeln, damit es sich im Kopf verankert.

Aufgrund des Informationshungers der Influentials sind sie von Grund auf genauso empfänglich für Informationen der Wettbewerber und das macht sie nicht zu den loyalen Unterstützer, die man sich erhofft. Schnell können sie zur nächst besseren Idee springen. Deshalb ist es wichtig, die Influentials nicht nur mit Informationen zu versorgen, sondern sie zu überzeugen. Zum Schluss dieses wichtigen Punkts ist zu verdeutlichen, dass es sich bei Influentials nicht um Champions, Superstars oder lediglich zufriedene Konsumenten handelt. Ein zufriedener Konsument ist nicht gleich einem Influential, da nur ein Teil der Konsumenten die beschriebenen Eigenschaften eines Influentials besitzt, die notwendig sind, Botschaften zu WOM werden zu lassen.

Das Arbeiten mit Influentials

Das Arbeiten mit den Influentials ist als Vorbereitung für den Einsatz von BuzzMarketing zu verstehen und legt den Grundstein für erfolgreiche WOMMarketingKampagnen. Um zu verstehen, wie man mit Influentials erfolgreich arbeitet, sind bestimmte verhaltenswissenschaftliche Grundlagen zu erläutern. Macht man Fehler bei dem Umgang mit diesen sehr wichtigen Personen, können diese sich schnell abwenden. Der Konsument und insbesondere Influentials haben ein Grundbedürfnis, sich frei zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden zu können.

Wird diese „freie Wahl“ durch aggressives Werben gestört, kann es sogar zum Gegenteil von dem kommen, was man eigentlich erreichen wollte. Bei Influentials bzw. EFluentials können schlechte Erfahrungen mit aggressiven Werbern oder Produkten aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften  zu hohem Imageverlust betreffend des jeweiligen Produktes bzw. der Marke führen. Dieses Phänomen wird auch als Psychologische Reaktanz bezeichnet. Es kann zu Trotzreaktionen in Form von negativer Werbung führen. Zudem ist die Motivation negative Erfahrungen zu verbreiten größer als die für die Verbreitung positiver Erfahrungen.

Influentials sind in der Regel eingebettet in soziale Netzwerke. Sie sind private Personen, die „intrinsisch“ motiviert sind und bewusst, aber auch unbewusst, Meinungen in ihren Gruppierungen lenken. Außerdem sind sie anerkannte Fachleute, die oft nach ihrer Meinung gefragt werden. Ein vorsichtiger, gut geplanter Umgang mit diesen Personen ist deswegen grundlegend für den Erfolg oder Misserfolg einer WOMM Kampagne verantwortlich.

Influentials sind aufgrund ihrer Eigenschaften von Grund auf skeptischer und kritischer als der durchschnittliche Mensch und dadurch nicht mit einfachen Werbemethoden zu beeinflussen, da eine getroffene Entscheidung mehr Kriterien erfüllen muss, um das innere Gleichgewicht herzustellen. Sie wollen überzeugt werden und dies bedarf intensiver, aber nicht aggressiver Betreuung. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieser Entscheidungsfindungsprozess länger dauert als bei anderen. Im Gegenteil. Influentials sind schnelle und überlegte Entscheider. Um den Entscheidungsfindungsprozess zu verstehen ist im Folgenden ein Exkurs zum „InnovationDecision Process“ nach Everett M. Rogers angebracht

Die Ausbreitung von Innovationen

Der Prozess in dem Entscheidungen gefällt werden, bezeichnet Rogers als „Innovation Decision Process“. Seine Definition dieses Prozesses lautet:

„The Innovation Decision Process is essentially an informationseeking and informationprocessing activity in which an individual is motivated to reduce unvertainity about the advantages and disadvantages of an innovation.”

Der Entscheidungsfindungsprozess durchläuft fünf Stufen:

1. Knowledge (Wissen)

2. Persuasion (Überzeugung)

3. Decision (Entscheidung)

4. Implementation (Einführung)

5. Confirmation (Bekräftigung/Identifizierung mit dem Produkt)

In jeder einzelnen Stufe steht der Influential, der in erster Linie auch selber Konsument ist, auf ein Neues vor der Entscheidung, das Produkt anzunehmen oder abzulehnen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass in allen fünf Stufen die Change Agents aktiv sind. Aufgrund der meist bestehenden Lücke zwischen den nicht in das soziale Netzwerk involvierten Change Agents und den in das Netzwerk integrierten Multiplikatoren, ist die Überzeugungsarbeit bei den Multiplikatoren meistens nicht einfach. Nachfolgend geht dieser Abschnitt kurz auf die einzelnen Stufen des „InnovationDecision Process“ ein.

1. Knowledge

Zuerst muss die Zielperson sensibilisiert werden, damit sie überhaupt gewillt ist, die Innovation als Bedürfnis zu erkennen. Die meisten Menschen neigen dazu, neue Erfindungen als uninteressant einzustufen und nehmen sie nicht wahr, weil sie den Bedarf an der Innovation nicht sehen. Diese Tendenz wird auch „Selective Exposure“109 genannt. Diese fehlende Aufmerksamkeit kann effektiv durch Wissensvermittlung erzeugt werden. Der potenzielle „Meinungsmacher“ kann dadurch animiert werden sich genauer mit einer Innovation zu beschäftigen. Drei Arten von Wissen können kommuniziert werden.

1. Awareness Knowledge (Informationen zur Existenz der Erfindung)

2. How to knowledge (Benutzeranleitung)

3. Principles Knowledge (Grundlagen der Funktionsweise)

Diese erste Phase des Entscheidungsfindungsprozesses ist wichtig, um ein Grundinteresse an der Erfindung zu erzeugen. Dieses Grundinteresse ist nach einer AOL Studie vom September 2006, sehr entscheidend für die weitere Aufnahme von Werbebotschaften. Die Studie ergab, dass sich nur 25% der am beworbenen Produkt Uninteressierten an die Werbung erinnert haben, während die Zahl bei den Interessierten, die sich an die Werbung erinnert haben, bei 75% lag.

2.Persuasion

Die Überzeugungsphase ist wohl die wichtigste Phase für die Ausbreitung einer Innovation. Hier legt der Konsument seine Einstellung zu einer Neuerung fest. Diese Entscheidung ist neben der kognitiven Wahrnehmung stark beeinflusst von Gefühlen. Während in der ersten Phase die Informationen an den „Entscheidungsfäller“ noch herangetragen werden, kommt es in der Überzeugungsphase durch eine Informationsbeschaffung durch den Konsumenten selbst. Dabei entscheidet er, welche Informationen für ihn glaubwürdig sind und wie er sie interpretiert. Da der Entscheider aber nicht sicher ist, ob die Erkenntnisse, die er aus den gesammelten Informationen bezieht auch richtig sind, sucht er in dieser Phase oft Ratschläge aus seinem sozialen Umfeld.

Kann die Informationsversorgung in der ersten Phase aufgrund der generalistischen Eigenschaften der Informationen auch über die klassischen Massenmedien erfolgen, sind in der zweiten Phase Multiplikatoren oder andere Schlüsselpersonen bzw. Change Agents gefragt. Sie können auf den individuellen Informationsbedarf der Konsumenten eingehen und ein „gutes Gefühl“ bezüglich des Produkts auf der Seite der Konsumenten erzeugen. Die Entscheidungen in der Knowledge und in der Percuasion Stage sind sehr stark abhängig von der Kultur und den Zielen des sozialen Systems. Ist der Konsument nach diesen Stufen weiterhin interessiert an der Neuheit tritt die Decision Stage ein.

3. Decision Stage

In der „Decision Stage“ unternimmt der Konsument direkte Aktivitäten, die zu einer Annahme oder zu einer Ablehnung der Innovation führen. Förderlich ist in dieser Phase das Angebot von Testangeboten, die den Konsumenten eine Möglichkeit geben, sich von den für ihn relevanten Vorteilen zu überzeugen. Dadurch wird die zu Grunde liegende Unsicherheit gegenüber der Neuerung nach der zweiten Phase noch einmal verkleinert. Hat der Konsument das Testangebot wahrgenommen, entscheidet er sich oft für das Produkt, insbesondere wenn er ein Influential ist. In der Decision Stage ist die Aufgabe der Change Agents die Bereitstellung von Testangeboten. Entscheidet sich der Konsument für den Gebrauch der Innovation, ist die Implementation Stage erreicht.

4. Implementation Stage

In dieser Stufe kommt es zur praktischen Annahme der Innovation durch den Konsumenten. In dieser Phase möchte der Konsument wissen, wo er die Neuerung beziehen kann, wie lange es dauert und wie man sie bedient. Ab dieser Phase können Change Agents direkt eingreifen und die Konsumenten mit den benötigten Informationen versorgen. Die Unsicherheit auf der Seite der Influentials ist fast nicht mehr existent und sie können ruhigen Gewissens die Innovation weiterempfehlen.

In der Implementierungsphase kommt es bei der Diffusion oft zu Veränderungen der Innovation. Diverse Studien in den 70er Jahren ergaben, dass bei der Weiterverbreitung von Innovationen die Produkte oft verändert oder erweitert worden sind, um sie an individuelle Gegebenheiten anzupassen. Durch diese Modifikation kommt es zu einer schnelleren Verbreitung einer Innovation und meist zu einer steigenden Haltbarkeit sowie Bedienungsfreundlichkeit. Dieser Ansatz ist im Open SourceGedanken verankert. So entwickeln z.B. in der Typo3 Community EntwicklerTeams oder einzelne User die Typo3 Plattform durch Extensions stetig weiter und ergänzen nützliche Tools. Dadurch entwickelt sich die Typo3Plattform immer mehr zu dem beliebtesten Content Management System weltweit.

5.Confirmation Stage

In der letzten Phase versucht der Entscheidungsträger Dissonanzen bezüglich seiner Entscheidung zu vermeiden. Er sucht Informationen, die seine Entscheidung bestärken. Dadurch kann er auch auf Informationen stoßen, die seine Entscheidung in Frage stellen. Dann besteht die Möglichkeit, dass er seine Entscheidung revidiert und zum Beispiel die bereits praktisch eingesetzte Innovation nicht mehr benutzt. Ist die Confirmation Stage erreicht, werden hoffentlich die überzeugten Influentials die Botschaft über die Innovation in die Welt tragen und weiterempfehlen. Sobald die Influentials überzeugt sind, ist die Schwelle, sie von weiteren Produkten überzeugen zu können, nicht mehr so hoch, da sie Vertrauen geschöpft haben. Dieses Vertrauen sollte man allerdings nicht überreizen, da es durch Überbeanspruchung der Influentials zur „Abnutzung“ und dem Verlust des Status des Meinungsführers kommen kann. Die Influentials sind dann nicht mehr authentisch und objektiv.

 

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Zu Olaf Kopp

Olaf Kopp ist Co-Founder, Gesellschafter und Head of SEO der Aufgesang Inbound Marketing GmbH . Er blickt auf drei Jahre Erfahrung als Geschäftsführer der Online-Marketing-Unit der Aufgesang Agenturgruppe zurück.Als begeisterter Suchmaschinen- und Content-Marketer schreibt er für diverse Fachmagazine, u.a. t3n, Website Boosting, suchradar, Hubspot ... und war als Gastautor in diverse Buch-Veröffentlichungen involviert. Zudem engagiert sich Olaf Kopp als Dozent und Speaker für SEO, Google-Analytics und Content Marketing in Bildungseinrichtungen sowie Konferenzen wie z.B. der Hochschule Hannover, Ostfalia Hochschule, Norddeutschen Akademie, CMCx, SEOCampixx … Er ist Mitveranstalter des SEAcamps in Jena. Olaf schloss 2006 sein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing und E-Business als Diplom Kaufmann (FH) ab und beschäftigt sich seit 2005 mit Social Media Marketing, Google AdWords sowie SEO. Seit 2012 stehen digitales Branding, Content-Marketing und semantische SEO im Fokus seines Interesses.
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