Wie wichtig ist die Klickrate bzw. CTR in den SERPs für das Ranking bei Google und damit eine relevante Kennzahl für die Suchmaschinenoptimierung? Diese Frage würden die meisten SEOs aktuell mit sehr „wichtig“ beantworten. Dieser Beitrag soll auf Basis  einiger Testreihen aus dem Jahr 2019 / Anfang 2020 mehr Aufschluss zu diesem Thema geben.

Ist die Klickrate (CTR) ein Rankingfaktor für Google & Co.?

Laut Google ist die CTR auf Suchergebnisse als „noisy signal“ zu störanfällig und damit kein Rankingfaktor. Laut vielen SEOs und einigen Tests ist die Klickrate ein wichtiger Rankingfaktor , um  Suchergebnisse für die erste Seite zu qualifizieren. Hier steht also Aussage gegen Aussage.

Gründe für und gegen die Klickrate als Rankingfaktor

Es gibt einige Gründe dafür, dass Google die SERP-CTR als Rankingfaktor nutzt.

Gründe dafür:

  • Eine hohe Klickrate spricht dafür, dass das Suchergebnis der Suchintention des Nutzers entsprochen hat. Zumindest das Snippet. Das kann allerdings auch sehr individuell je nach Nutzer variieren.
  • Google nutzt schon seit langem die Klickrate bei Anzeigen als wichtiges Kriterium für den Ad-Qualitätsfaktor. Warum nicht auch bei den organischen Suchergebnissen?
  • Es gibt diverse Google-Patente aus den letzten Jahren, die Systeme beschreiben, bei denen Klicks und die SERP-Klickrate eine Rolle für das Ranking spielen. (z,B, hier)
  • Aufgrund der viele Skripte im Quellcode der SERPs ist anzunehmen, dass Google Interaktionen mit den SERPs trackt. Was genau es ist steht nicht fest.

Gründe dagegen:

  • Eine hohe Klickrate auf das Suchergebnis sagt nichts über die Qualität und Relevanz des Inhalts aus, sondern nur auf die Relevanz des Snippets.
  • Klicks sind generell ein „noisy“ Signal, welches einfach zu beeinflussen ist, also die Rankings einfach zu manipulieren wären.

Und genau diese „noisy Signals“ habe ich in einem Test über zwei Klick-Dienstleister simuliert, um den Einfluss auf die Rankings zu testen.

 

Die Dienstleister

Da ich in den letzten Jahren immer wieder in Diskussionen involviert bin, bei denen die Google-Aussagen als Ablenkungsmanöver, Blendgranaten … bezeichnet werden oder Google-Patente als Beweis herangezogen werden, habe ich mich dazu entschlossen eigene Untersuchungen durchzuführen. Dazu habe ich mir zwei Anbieter gesucht, bei denen man Klicks auf Suchergebnisse kaufen kann.

Bei beiden Anbietern werden Personen beauftragt einfache Aufgaben wie z.B. Suchen bzw. Klicks auf bestimmte Suchergebnisse bei einem bestimmten Keywords nach bestimmten Regeln auszuführen.

Ich habe bewusst zwei Anbieter ausgesucht, um bestimmte mögliche Fehlerquellen auszuschließen. Mögliche Showstopper könnten bestimmte Muster sein, die Google erkennen kann und damit in der Lage wäre die Klicks als Klickbetrug zu identifizieren und herauszufiltern.

WICHTIG: Ergänzungen zur ersten Testreihe 

Zum Abschluss der ersten Testreihe über Dienstleister  1 muss ich sagen, dass im Gegensatz zu Dienstleister 2 nur ein kleiner Bruchteil der Klicks in der Search Console erfasst wurden.

Meine Vermutung war entweder, dass Google die Klicks erkennt und in der Search Console herausfiltert oder der Anbieter einfach seinen Job nicht gemacht hat. Zweitere Vermutung habe ich in Google Analytics überprüft. Ich konnte es nicht klären, da es zu Überschneidungen mit anderen Trafficquellen in dem Zeitraum kam und eine Keyword-genaue Prüfung aufgrund von not provided nicht möglich ist.

Auf Anfrage bei dem Anbieter 1 gab es folgende Antwort:

„However I think the problem may be due to the fact that many of our clickers are using Private Browsing mode on Firefox, which disables Google Analytics tracking code. The clicks are still happening, and the CTR is still being increased – the SEO benefit is still there – but Google doesn’t log these clicks because the users are using Private Browsing. We are currently investigating whether we can force our clickers to not use private browsing mode – I will get back to you when we have an update on that.

Das wäre eine Begründung warum Google Analytics keine eindeutigen Daten erfasst hat, aber nicht für die vielen nicht erfassten Klicks in der Search Console. Vorweg genommen beim zweiten Anbieter wurden die meisten Klicks in der Search Console erfasst und damit auch der Anstieg bei der Klickrate.

Deswegen habe ich alle weiteren Testreihen ausschließlich beim Anbieter zwei durchgeführt und betrachte nachfolgend auch nur diese Ergebnisse.

 

Der Untersuchungs-Aufbau

Insgesamt habe ich im Jahr 2019 und Anfang 2020 sechs Testreihen im März, April, Mai/Juni, Oktober/NovemberNovember/Dezember und Januar 2020 durchgeführt. Dabei habe ich insgesamt über 17.000 Klicks für

  • vier Domains
  • 30 Keywords / 30 URLs

gekauft.

Bei der Auswahl der Keywords habe ich auf verschiedene Suchintentionen (transaktional und informational), verschiedene Suchvolumina zwischen 200 und 12000 pro Monat, sowie unterschiedliche Ausgangs-Positionen <10, <20 und >20 gewählt. Voraussetzung war, dass das Keyword eine Position <100 hatte.

Die theoretische Annahme ist, dass wenn Google die CTR tatsächlich für das Ranking berücksichtigt auf SERP 1 und 2 deutlich mehr Nutzersignale sammelt als auf Suchergebnissen die sich weiter hinten befinden. Dementsprechend könnte man vermuten, dass auf Seite 1 und 2 die CTR als Rankingfaktor höher bzw. überhaupt gewichtet wird.

So viel zur Theorie.

Alle Tests habe ich für eigene Projektseiten durchgeführt. Alle Projektseiten  sind über 5 Jahre alt und besitzen eine gewisse thematische Autorität.

Auch beim Nutzerverhalten habe ich auf unterschiedliche Aufenthaltsdauern und Nutzerverhalten je Testreihe geachtet, um weitere Einflussfaktoren im Auge zu haben. Bei einigen Testreihen wurden nach dem Aufruf der Suchergebnisseite ein bis zwei weitere vorgegebene URLs aufgerufen.

Die Laufzeit der Tests lag je nach Testreihe zwischen zwei und acht Wochen.

Diese Untersuchung ist damit eine der umfangreichsten Untersuchungen, die es aktuell  zu dem Thema Klickrate und Rankings öffentlich dokumentiert gibt.

 

Die Ergebnisse der CTR-Tests

Nachfolgend fasse ich die Ergebnisse aus den einzelnen Testreihen zusammen:


Wenn Du das Thema spannend findest kannst Du den kompletten Zugriff auf diesen und alle anderen Premium Inhalte hier im Blog erwerben.

Hier findest Du einen Überblick über die aktuellen Premium-Inhalte. Und HIER kannst Du den Zugriff auf alle Premium-Inhalte bestellen.


Du bist bereits Mitglied? Dann logg Dich hier ein und viel Spass beim weiter lesen.

Zu Olaf Kopp

Olaf Kopp ist Co-Founder, Chief Business Development Officer (CBDO) und Head of SEO der Aufgesang GmbH . Im Fokus seiner Untersuchungen, Ideen und Arbeiten stehen die Themen digitaler Markenaufbau, Online- und Content-Marketing-Strategien entlang der Customer-Journey und semantische Suchmaschinenoptimierung. Von 2012 bis 2015 war er Geschäftsführer. Als begeisterter Suchmaschinen- und Content-Marketer schreibt er für diverse Fachmagazine, u.a. t3n, Website Boosting, suchradar, Hubspot ... und war als Gastautor in diverse Buch-Veröffentlichungen involviert. Sein Blog zählt laut diversen Fachmedien und Branchenstimmen zu den besten Online-Marketing-Blogs in Deutschland. Zudem engagiert sich Olaf Kopp als Speaker für SEO und Content Marketing in Bildungseinrichtungen sowie Konferenzen wie z.B. der Hochschule Hannover, SMX, CMCx, OMT, OMX, Campixx… Er ist Mitveranstalter des SEAcamps und Moderator des Podcasts Content-Kompass auf termfrequenz. Olaf schloss 2006 sein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing und E-Business als Diplom Kaufmann (FH) ab und beschäftigt sich seit 2005 mit Marketing und digitaler Kommunikation.