Inbound-Marketing ist  eins der Buzzwords im Online-Marketing. Doch wenn man nach einer genauen Deutung des Begriffs Inbound-Marketing fragt bekommt man nur sehr unklare Aussagen insbesondere in der Abgrenzung zu einem anderen Buzzword, nämlich Content-Marketing.  Warum Content-Marketing nicht gleich Inbound-Marketing ist, Inbound-Marketing ein grundlegendes Umdenken im Marketing allgemein erfordert und wie es funktioniert wird nachfolgend erklärt. Doch bevor in das Thema eingestiegen wird eine kurze Erläuterung zum Pull-Marketing.

Pull-Marketing: Marketing das anzieht

Pull-Marketing bedeutet Maßnahmen zu ergreifen um potentielle Kunden früh im Recherche Prozess nach Produkten oder Lösungen zu erreichen und “einzufangen”. Dabei geht es oft um eine sehr frühe Stufe im Recherche Prozess, in der der Suchende nach einer Problemlösung sucht, aber noch kein konkretes Produkt im Auge hat. Man kann auch noch früher ansetzen und ihm ein mögliches Problem aufzeigen um den Bedarf zu erzeugen.

Damit setzt Pull-Marketing-Maßnahmen einen Bedarf bzw. Interesse an einem Produkt oder Lösung eines Problems voraus. Der Kunde und seine Interessen stehen im Mittelpunkt nicht, die des Unternehmens.

Pull-Marketing wird zunehmend relevanter, da die klassischen Push-Instrumente durch zunehmende Werbeblindheit ignoriert werden.

In der deutschen Wikipedia wird daraufhin verwiesen, dass Pull-Marketing in erster Linie durch die Industrie genutzt wird um über den Endkonsumenten Druck auf den Handel auszuüben, der dann die Produkte im Sortiment haben muss. Angemerkt wird die i.d.R. große finanzielle Vorleistung. Diese Ansicht finde ich veraltet, da es online für fast jedes Unternehmen möglich ist mit überschaubarem Budget Pull-Marketing in Form von Inbound-Online-Marketing in Kombination mitContent-Marketing zu betreiben.

Pull-Marketing bekommt immer mehr Gewicht im Marketing gegenüber dem Push-Marketing, was nach dem Prinzip „Werbemittel produzieren und auf Werbeträgern platzieren“ über die Jahrzehnte an Effektivität verloren hat. Das zeigt auch ein Blick auf die Evolution des Marketings.

Inbound-Marketing eine neuer Marketing-Ansatz?

Inbound-Marketing ist zusammen mit Content-Marketing das wohl derzeit meist genutzte Buzzword im Marketing-Kontext. Der Begriff Inbound-Marketing wurde von SEOmoz Gründer Rand Fishkin im April 2012 bei der SMX in München in seiner Keynote „How SEO Blinded Me, Then Opened My Eye“das erste Mal im deutschsprachigen Raum auf die große Bühne gebracht. Dementsprechend gestaltete sich auch das Interesse nach dem Thema Inbound-Marketing wie folgender Screenshot aus Google Trends für Deutschland und weltweit zeigt.

 

Entwicklung Suchvolumen nach Inbound Marketing in Deutschland

Entwicklung Suchvolumen nach Inbound Marketing in Deutschland

Entwicklung Suchvolumen nach Inbound Marketing weltweit

Entwicklung Suchvolumen nach Inbound Marketing weltweit

Dabei ist Fishkin nicht der Erfinder dieser Marketing-Form. Betrachtet man das Ganze global wird deutlich, dass das Thema  schon länger ein wachsendes Interesse erzeugt. Den Grundstein für das Umdenken zum Inbound-Marketing legten bereits Vordenker wie Seth Godin  mit seinem Buch „Permission Marketing: Turning Strangers  Into Friends And Friends Into Customers“ und David Meerman Scott mit seinem Buch „The New Rules of Marketing & PR.  2009 veröffentlichten dann die beiden Hubspot Gründer Dharmesh Shah und Brian Halligan das Buch „Inbound Marketing – Get Found Using Google, Social Media and Blogs“.  In Deutschland verfolgen Kollegen wie Kerstin Hoffmann 2012 mit dem Buch „Prinzip kostenlos“ und Karl Kratz mit seinem Welcome to the System” in Teilen dem Inbound-Marketing Prinzip ohne den Begriff selbst zu verwenden. Die wachsende Popularität des Themas kann man am besten nachvollziehen, wenn man sich die Evolution des Marketings in den letzten 30 Jahren verdeutlicht.
Die Kritik, dass Inbound-Marketing und Content-Marketing eigentlich nichts Neues ist, da es über PR schon seit Langem nur mit anderem Namen betrieben wird stimmt nur bedingt, da erst heutzutage durch die technischen Möglichkeiten und das Web 2.0 derartige Effekte erzielt werden können.

Definition: Inbound-Marketing

Bei der Definition des Begriffs Inbound-Marketing findet man im englischsprachigen Wikipedia eine sehr ungenaue Definition und wie ich finde falsche Interpretation von Inbound-Marketing.

Inbound marketing is advertising a company through blogs, podcasts, video, eBooks, enewsletters, whitepapers, SEO, social media marketing, and other forms of content-marketing.

Alleine, dass der Begriff Werbung hier genutzt wird entspricht nach meiner Meinung nicht der Realität. Werbung ist i.d.R. Push und nicht Pull. Zudem wird der Anschein erweckt, dass Inbound-Marketing gleich Content-Marketing ist. Wird Inbound-Marketing als Gegenstück zum Outbound-Marketing betrachtet, so müssen folglich alle Arten des Below-The-Line-Marketings sowohl on- als auch offline zum Inbound-Marketing zählen. Tendenziell wird sich meiner Ansicht nach jedoch, die Inbound Marketing-Definition von Hubspot durchsetzen, die lediglich Online-Instrumente berücksichtig. In Anlehnung an die Definition Hubspots beinhaltet Inbound-Marketing  folgende (Online-) Marketing-Instrumente:

Rand Fishkin von MOZ hat 2012 Marketing in die beiden Bereiche Interruption-Marketing und Inbound-Marketing unterteilt (siehe dazu Goodbye SEOmoz. Hello Moz). Ich habe seine Orginalgrafik in deutsch nachgebaut und ein bisschen erweitert:
Interruption-Marketing vs. Inbound-Marketing

Interruption-Marketing vs. Inbound-Marketing

Inbound-Marketing: Das Zusammenspiel aus Inbound-Online-Marketing, PR & Content-Marketing

Inbound-Online-Marketing, Content-Marketing und PR bilden zusammen die Definition des Begriffs Inbound-Marketing. Dabei bildet der Bereich Content-Marketing die Schnittstelle zwischen PR und Inbound-Online-Marketing. Diese Zusammenhänge habe ich in folgender Übersicht zusammengefasst:

Inbound-Marketing-Übersicht

Inbound-Marketing-Übersicht

Content-Marketing

Content-Marketing steht im Mittelpunkt des Inbound-Marketings. Eingebettet in eine Content-Strategie, die abteilungsübergreifend verfolgt und gelebt werden sind Inhalte der Motor des Inbound-Marketings. Die Kernaufgaben im operativen Content-Marketing-Prozess sind die Teilschritte Content-Planung sowie –Konzeption, Content-Produktion und Content-Promotion über Owned-Media. Content-Promotion kann zudem unterstützt werden durch PPC-Werbung als auch Influencer-Marketing bzw. PR.

Content-Marketing-Prozess

Content-Marketing-Prozess

An erster Stelle, steht die Content-Konzeption und Planung . Diese Phase wird oft unterschätzt, aber ist die wichtigste Phase im gesamten Content-Marketing-Prozess. Dabei steht die wobei die Zieldefinition, Definition der Bedarfsgruppen und Personas, die Marktanalyse sowie die Themenfindung im Mittelpunkt steht. Folgende Punkte gilt es zu beachten:

  • Welche Zwischen- und Hauptziele will man erreichen?
  • Welche Bedarfs- und Personengruppe(n) möchte man ansprechen?
  • Wofür interessiert sich die entsprechende Zielgruppe, welche Informationen werden gesucht und was wird verlinkt?
  • Mit welchen Mitteln soll die jeweilige Zielgruppe angesprochen werden und in welcher Prozessphase soll dies geschehen?Content-Produktion

Bei der Content-Produktion wird im Endeffekt wird in dieser Phase “nur” das umgesetzt, was vorher konzepiert und geplant wurde. Dafür bedarf es je nach Content-Art Texter, Videoproduzenten, Grafiker …

Content-Promotion dient der Verbreitung des Contents, für die entsprechende Zielgruppe. Dabei gibt es drei Arten für Content-Promotion. Und zwar über

  • Owned Media
  • Earned Media
  • Paid Media

Bei der Content-Promotion über Owned Media werden Inhalte über den eigenen Blog, dem Bereitstellen von Social-Media-Buttons/ RSS-Feeds oder beispielsweise Newsletter gestreut. Dabei liegt der Fokus auf die Attraktivität des Contents, um Word-of-Mouth zu erzeugen.

Die zweite Variante ist Content-Promotion über Paid Media. Durch bezahlte Werbung z.B. über Dienste wie Werbung im Google Display Netzwerk, Outrain oder plista wird der Content auf unternehmensfremden redaktionellen Plattformen zu bewerben.

Bei der Content-Promotion über Earned Media werden über Influencer-Marketing, Medienarbeit, Blogger-Relations etc. dei Inhalte gezielt verteilt, damit andere Medien adrüber berichten.

Inbound-Online-Marketing

Inbound-Online-Marketing umfasst alle Bereiche des Online-Marketings, die über Pull-Effekte funktionieren wie z.B. SEO oder Social Media Marketing. Auch Disziplinen wie Suchmaschinenwerbung (SEA) und E-Mail-Marketing zählen zum Inbound-Online-Marketing insofern gezielt eingesetzt und nicht auf Reichweite z.B. über gekaufte Newsletter-Abonnenten- Verteilerlisten.

Public Relations (PR)

PR erfüllt im Inbound-Marketing insbesondere bei der Zuarbeit in Sachen Content-Konzeption und bei der Content-Promotion über Earned Media eine große Rolle. Public Relations hat heutzutage nur noch wenig mit dem Erstellen und Veröffentlichung von Pressemitteilungen zu tun. Influencer-Marketing ist hier das Stichwort.

 

Abgrenzung der Begriffe Inbound-Marketing und Content-Marketing zueinander

Die Begriffe Content-Marketing und Inbound-Marketing werden oftmals als Synonyme betrachtet, eine exakte Trennlinie ist bisher noch nicht offiziell gezogen worden. Im Folgenden soll genauer auf die beiden Begriffe und wie sie voneinander abzugrenzen sind, eingegangen werden. Im Mittelpunkt beim Content-Marketing steht die Planung und die Erstellung des Contents. Dazu gehört die Zieldefinition,  Zielgruppenanalyse- und –findung . Bezüglich des Seedings würde ich nur die Verbreitung der Inhalte über die unternehmenseigenen Kanäle, dem Content-Marketing zuordnen. Das bereits erwähnte aktive Seeding und Outreach sowie Content-Promotion über z.B. die klassische PR oder Content-Promotion-Dienste wie Outbrain oder Plista  ist meines Erachtens nicht dem Bereich des Content-Marketings zuzuordnen.

Content-Marketing ist ein Teil des Inbound-Marketing-Prozess. Inbound-Marketing selbst bezieht als gesamte Strategie das Content-Marketing und alle Instrumentarien darum, wie das aktive Seeding, also die Kommunikation mit Multiplikatoren und Influencer sowie der Prozess der Lead- und Kundengenerierung bzw. die Herbeiführung von Interaktion mit ein.

 

Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Inbound Marketing

Die aktuellsten Google Updates wie Penguin und Panda verdeutlichen noch einmal die Wichtigkeit von hochwertigen Content und natürlichem Linkaufbau bei der Suchmaschinenoptimierung der Zukunft. Bei der Erstellung des Contents sollte auch immer darauf geachtet werden, dass im Sinne der Suchmaschinenoptimierung auf Strukturierung von Texten, lesbare Schriftarten- und -Größen sowie Lesbarkeit durch Suchmaschinen geachtet wird. Video Content und Bilder sollten mit entsprechenden themenrelevanten Informationen versehen werden. Da auch das Thema Duplicate Content zu berücksichtigen ist, macht es wie bereits beim Abschnitt Content-Erstellung bemerkt Sinn beim Seeding über externe Kanäle je nach Zielgruppe auf individuell erstellte Texte und Inhalte zu achten. Inbound-Marketing-Aktivitäten sorgen für hochwertigen Content und führen dadurch auf natürlichem Weg zu Backlinks. Zwei der wichtigsten Ziele von SEO werden dadurch bedient. Die Frage ist nur wie ordnet man Inbound Marketing jetzt im Marketing Kontext ein? Ist SEO ein Teil von Inbound-Marketing oder Inbound-Marketing ein Teil der Suchmaschinenoptimierung? Das liegt im Auge des Betrachters. Die zukunftsweisendere Ansicht ist nach meiner Meinung und die vieler Experten die Erstere. Die zunehmende Anzeigenblindheit und In Akzeptanz der Push-Werbung wird sich in Zukunft weiter ausbreiten und die Relevanz dieser Kanäle verringern. Auch Google wird den Kampf gegen die Manipulation der Suchergebnisse weiter fokussieren und daran arbeiten relevanten von irrelevanten Content sowie natürliche von unnatürlichen Offpage-Signalen zu trennen.

Der Inbound-Marketing-Prozess: Anziehen, Begeistern, Verkaufen, Binden

Die vier Phasen des Inbound-Marketing-Prozesses:

Inbound-Marketing-Prozess

Inbound-Marketing-Prozess

1. Phase: Gefunden werden und anziehen

In der ersten Phase geht es darum, Zielgruppen bereits im Recherche-Prozess mit ansprechenden Inhalten zu erreichen und anzusprechen. Da Suchmaschinen wie Google bei der Recherche und Informationsbeschaffung eine entscheidende Rolle spielen, ist in dieser Phase das Thema SEO sehr wichtig. Dabei kommt es darauf an, die Inhalte suchmaschinengerecht aufzubereiten. Dazu gehört, die Crawlbarkeit durch die Suchmaschinen-Bots zu gewährleisten, Content strukturiert aufzubereiten und zu formatieren, die Inhalte mit Meta-Informationen wie ansprechenden Seitentiteln und Descriptions zu ergänzen, die Inhalte über Author- und Publisher-Tags mit Google+ zu verknüpfen sowie Google & Co. die Klassifizierung bestimmter Inhalte über strukturierte Daten z. B. gemäß schema.org zu erleichtern. Die Seitentitel spielen auch im Zusammenhang mit Social-Media-Kanälen eine besondere Rolle, da diese als Teaser dienen und Interesse bei der Verbreitung erzeugen sollen. Für z. B. Facebook lassen sich Überschriften und Teaser-Texte auch separat über den Open Graph an Facebook übermitteln. Des Weiteren sollten die Inhalte über eingebettete Social-Media-Buttons einfach zu teilen sein.

Je nachdem, wie etabliert man am Markt bereits als Marke ist bzw. wie reichweitenstark das eigene System in Form von Newsletter-Abonnenten oder Social-Media-Kontakten ist, muss man mit den produzierten Inhalten Multiplikatoren und Influencer frühzeitig direkt persönlich kontaktieren. In manchen Fällen macht es sogar Sinn, diese noch vor der Veröffentlichung exklusiv mit dem Content zu beliefern und sogar mit einzubeziehen. Dafür muss der Inhalt aber wirklich gut sein und begeistern können. Das ist wichtig, da i. d. R. Influencer, insbesondere dann, wenn sie den Herausgeber noch nicht kennen, den Inhalt ganz genau prüfen. Dieser muss ihren Qualitätsansprüchen entsprechen und in gewisser Weise begeistern.

2.Phase: Begeistern

 

Wenn Kunden im Recherche-Prozess auf die veröffentlichten Inhalte stoßen, ist der erste Schritt, dass dieser Content begeistert. Begeisterung ist die Voraussetzung dafür, dass der Content sich per Word-of-Mouth bzw. Word-of-Mouse verbreitet, und dass die Nutzer den Suchmaschinen über lange Aufenthaltsdauern und niedrige Bounce-Raten die richtigen Signale zur Qualität des Contents geben. Der Effekt ist, dass daraus mehr Kontakte und Kontaktpunkte im eigenen Kommunikationssystem in Form von Fans, Followern, RSS-Feed- und Newsletter-Abonnenten usw. entstehen. Deswegen spielt diese Phase eine zentrale Rolle im Inbound-Marketing-Prozess. Hier liegt der Fokus auf dem Content-Marketing in Form der Content-Konzeption, -Planung und -Produktion. Für Inhalte, die nicht begeistern können, endet hier der Prozess.

Bei der Planung der Inhalte gilt es, Ziele und Zielgruppen zu definieren, Keyword-Recherchen und -Analysen durchzuführen, den Wettbewerb und die eigenen Assets zu analysieren. Was die Auffindbarkeit angeht, ist es zurzeit noch durchaus möglich, mit Inhalten schlechter bis mittlerer Qualität kurz- bis mittelfristig durch die Suchmaschinen als qualitativ ansprechend eingestuft zu werden und gute Rankings zu erzielen. Aber mit dem Ausbau der semantischen Suche, dem wachsenden Einfluss der sozialen Signale insbesondere aus Google+ und der Nutzersignale nähert sich Google dem Empfinden der menschlichen Leser an.

Setzt man die SEO-Brille aber wieder ab, sollte klar sein, dass in vielen Fällen ‒ außer vielleicht bei dem einen oder anderen Shop ‒ Inhalte, die der Zielgruppe nicht genügen, eine Sackgasse sind, auch wenn sie Top-Rankings vorweisen und gefunden werden.

Die Begeisterung soll am Ende zur Bereitschaft führen, einen Lead oder sogar Auftrag zu platzieren und/oder zu einer Empfehlung des Angebots an andere potenzielle Kunden führen. Der Prozess zum Abschluss kann dabei durchaus über mehrere Content-Berührungspunkte bzw. Touchpoints und unterschiedliche Medienformate erreicht werden.

Das Storytelling spielt hierbei eine besondere Rolle. So kann man z. B. innerhalb eines Textes oder auch über verschiedene aufeinanderfolgende Inhalte eine Geschichte erzählen, die den Konsumenten auf der einen Seite begeistert und auf der anderen Seite in Richtung Abschluss begleitet. Je nachdem, in welcher Recherche-Phase sich ein potenzieller Kunde befindet, können Themen gefunden werden, die den Konsumenten aufnehmen und im Conversion-Trichter weiterführen.

 

Phase 3: Abschluss/ Verkauf

 

Wenn die ersten beiden Phasen durchlaufen sind, sollten wir in den folgenden Schritten auf einen bereits begeisterten sowie gegenüber unserem Angebot bzw. unserer Marke positiv gestimmten Menschen treffen. Dieser Zustand kann dazu führen, dass offensichtliche Werbung ab diesem Punkt wieder wahrgenommen und nicht als störend empfunden wird. Display-Anzeigen, ausgesteuert z. B. über „sanftes“ und gezieltes Remarketing bzw. Retargeting, kann hierbei genauso unterstützend wirken wie gezieltes klassisches Push-Marketing wie TV-Spots oder Print-Anzeigen. Aber auch Vertriebs- und Call-Center-Mitarbeiter sollten von nun an sogar willkommen sein und besseren Zugang zum potenziellen Kunden haben. Sie müssen sich nicht mehr vor dem Kunden mit dem ewig gleichen Vertriebs-Blabla positionieren. CRM-Systeme können in dieser Phase eine wichtige Rolle spielen.

 

Phase 4: Binden und Upselling

 

Wenn es gelingt, nach dem Abschluss den Worten Taten folgen zu lassen und damit die Erwartungen zu erfüllen, ist die Grundlage dafür gelegt, Kunden zu Promotern zu machen und sie langfristig als Kunden zu erhalten. Dies kann zum einen über einen guten Service, Top-Leistungen und positive Ergebnisse erreicht werden, zum anderen durch die stetige Reaktivierung der Begeisterung durch Inhalte. Kunden, die mit Stolz und gerne erzählen, dass sie Kunden, Fan etc. von einer Marke sind, führen automatisch zu neuen Interessenten, Abschlüssen und Upselling-Möglichkeiten. Das Spiel beginnt wieder bei Phase 2 und 3.

Zwischenziele pro Prozessstufe definieren

Wichtig ist es für die einzelnen Phasen, messbare Etappenziele festzulegen. Beispielsweise spricht eine lange Verweildauer, eine niedrige Absprungrate, das Abonnement des Feeds, ein Tweet, Like oder Share, aber auch eine Verlinkung einer anderen Seite für eine gewisse Begeisterung. Damit wäre das Ziel für die erste Phase erreicht. Eine Eintragung in den Newsletter, ein neuer Facebook Fan sowie eine Anfrage über ein Kontaktformular, per E-Mail oder Telefon, schließt die zweite Phase der Interaktion ab. Von nun an kann, wenn möglich, eine mehr oder weniger personalisierte Kommunikation über ein zum Beispiel CRM-System stattfinden.

Zielsetzungen sind insofern wichtig, als das jene den Erfolg erst messbar machen. Ein mögliches Zielkreuz könnte wie folgt aussehen:

Content-Marketing Zielkreuz

Content-Marketing-Zielkreuz

Entsprechend der Motivation der Zielgruppe, Inhalte zu teilen und/ oder gemäß des Vernetzungsgrades, kann ermittelt werden, welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Ist das Generieren von Backlinks das primäre Ziel, muss die Zielgruppe der möglichen Linkerati sehr genau ausgewählt und angesprochen werden, da nicht viele die Möglichkeit haben, zu verlinken. Steht die Erzeugung von sozialen Buzz im Mittelpunkt, kann das Seeding bei der Zielgruppenauswahl und –ansprache sehr viel „breiter“ betrieben werden, aufgrund der hohen Mitgliederanzahl auf Facebook, Twitter & Co. Ob ein „Content-Köder“ bzw. das Kampagnengut (im Falle einer Viral-Marketing-Kampagne) von der entsprechenden Zielgruppe Beachtung findet, hängt vom Interesse der Zielgruppe ab, womit ebenso gesetzte Verlinkungen gemeint sind. Des Weiteren ist es wichtig zu hinterfragen, in welcher Prozessphase sich der potentielle Kunde befindet. Inwiefern hat er sich bereits informiert? Wie ist sein Wissensstand? Wurde bereits zuvor Kontakt mit dem Kunden hergestellt? Wenn ja, auf welche Art und Weise?

Vom Interessenten zum Kunden

Während der Interaktionsphase kann bereits ein Grundvertrauen zwischen dem potentiellen Kunden und dem Anbieter entstehen, indem beispielsweise eine konkrete Anfrage bearbeitet wurde. Jenes anfängliche Vertrauen gilt es auszubauen, wobei zugleich die Empfänglichkeit für Werbung in dieser Phase gestiegen ist. Während der Abschluss-Phase besteht die einzige Möglichkeit während des Inbound-Marketing-Prozesses, aktiv auf den Kunden zuzugehen. Jener hat bereits einen emotionalen Bezug zur Marke bzw. zum Produkt hergestellt. Die Beratung oder der Vertrieb kann in Form von E-Mail-Kontakt, Telefongesprächen oder im direkten Gespräch erfolgen. Ebenso könnte klassische Push-Werbung wie Display-Werbung, TV-Spots, Print-Anzeigen etc. ihren Einsatz finden.

Den Kunden halten und zum Supporter machen

Ist aus dem Interessenten ein Kunde geworden, bedeutet dies weiterhin das vorhandene Vertrauen auch weiterhin aufrecht zu erhalten. Erneut muss er begeistert werden. Im wiederholten Prozess ist dies einfacher, weil bereits ein Vertrauensverhältnis besteht. So ist der Kunde für weitere Informationen mit offensichtlich kommerziellem Hintergrund empfänglich und empfiehlt diese Angebote gegebenenfalls auch weiter. Im Besten Fall gewinnt/ bindet man den Kunden über den Newsletter, der Facebook Fanpage, dem RSS-Feed oder beispielsweise Twitter in sein eigenes Informationssystem ein. Sind vernetzte Influencer im eigenen Informationssystem eingebunden, kann sich dies zur exponentiellen Verbreitung und zur Mund-zu-Mund-Propaganda (Word-of-Mouth) führen. Wer sich insbesondere zu den Inbound-Marketing-Prozessphasen Abschluss und Bindung/Upselling weitergehend informieren möchte den empfehle ich, sich mit „Welcome to the System„ von Karl Kratz auseinanderzusetzen.

Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Inbound Marketing

Die aktuellsten Google Updates wie Penguin und Panda verdeutlichen noch einmal die Wichtigkeit von hochwertigen Content und natürlichem Linkaufbau bei der Suchmaschinenoptimierung der Zukunft. Bei der Erstellung des Contents sollte auch immer darauf geachtet werden, dass im Sinne der Suchmaschinenoptimierung auf Strukturierung von Texten, lesbare Schriftarten- und -größen sowie Lesbarkeit durch Suchmaschinen geachtet wird. Video Content und Bilder sollten mit entsprechenden themenrelevanten Informationen versehen werden. Da auch das Thema Duplicate Content zu berücksichtigen ist, macht es wie bereits beim Abschnitt Content Erstellung bemerkt Sinn beim Seeding über externe Kanäle je nach Zielgruppe auf individuell erstellte Texte und Inhalte zu achten. Inbound-Marketing-Aktivitäten sorgen für hochwertigen Content und führen dadurch auf natürlichem Weg zu Backlinks. Zwei der wichtigsten Ziele von SEO werden dadurch bedient. Die Frage ist nur wie ordnet man Inbound Marketing jetzt im Marketing Kontext ein? Ist SEO ein Teil von Inbound-Marketing oder Inbound-Marketing ein Teil der Suchmaschinenoptimierung? Das liegt im Auge des Betrachters. Die zukunftsweisendere Ansicht ist nach meiner Meinung und die vieler Experten die Erstere. Die zunehmende Anzeigenblindheit und Inakzeptanz der Push-Werbung wird sich in Zukunft weiter ausbreiten und die Relevanz dieser Kanäle verringern. Auch Google wird den Kampf gegen die Manipulation der Suchergebnisse weiter fokussieren und daran arbeiten relevanten von irrelevanten Content sowie natürliche von unnatürlichen Offpage Signalen zu trennen. Deswegen haben wir uns zum Januar 2012 für die Gründung der Aufgesang Inbound Online Marketing GbR als Teil der Aufgesang Agenturgruppe entschieden.

Die primären Inbound-Marketing-Ziele

Wenn man den Inbound-Marketing-Prozess fest in die Unternehmensabläufe integriert, sollten steigende Umsätze, nachhaltige Kundenbeziehungen und wachsende Reputation die Folge sein. Und das Sahnehäubchen ist die wachsende Unabhängigkeit von medialen Werbeträgern. Je mehr Reichweite man über das eigene Kommunikationssystem erzielt, desto besser lassen sich Unternehmensinhalte transportieren und Online-Reputations-Management bzw. PR-Krisenmanagement durchführen. Und das alles bei sinkenden Mediabudgets. Der Traum jedes Marketing-Verantwortlichen.

Zusammengefasst kann man folgende primären Ziele festhalten:

  • Mehr Kunden
  • Längerfristige Kundenbeziehungen
  • Wachsende Reputation
  • Branding
  • Mediale Unabhängigkeit

Durch eine konsequente Verfolgung einer Inbound-Marketing-Strategie können sich zudem völlig neue Geschäftsmodelle ergeben. Wenn man es geschafft hat nahezu unabhängig von fremden Werbeträgern zu machen und eins der oder sogar das Sprachrohr der Branche zu werden, dann ergeben sich neue Möglichkeiten wie z.B. die Vermarktung von Werbeflächen oder erschließen neuer benachbarter Kundenkreise durch die Einführung neuer Produkte und Marken, die über die eigenen Kanäle dezent beworben und positioniert werden können.

Inbound-Marketing – für jeden ein Marketing-Ansatz?

Content- und Inbound-Marketing sind die Schlagwörter schlechthin. Jedoch ist das Geschäftsmodell des Inbound-Marketings nicht für jedes Unternehmen anzuwenden. Das Inbound-Marketing-Prinzip hat in vielen Unternehmen eine Umstrukturierung und langfristiges Umdenken zur Folge. Das heißt konkret, dass Abteilungsgrenzen verschwimmen und durch eine integrierten Arbeitsweise, gemeinsame Ziele verfolgt werden müssen. Herausfordernd ist zudem, dass eine Vielzahl neuer Marketing-Kanäle sowie -Disziplinen hinzugekommen sind. SEO, SEA, Web-Analyse sowie Conversion-Optimierung fordern einen hohen Spezialisierungsgrad. Infolgedessen besteht die Aufgabe darin, die jeweiligen relevanten Methoden zu identifizieren und für die professionelle Umsetzung Kompetenzen in den Bereichen Kreation, Analyse und Technik zu bündeln. Relevant ist dabei vor allen Dingen, die einzelnen Marketing-Maßnahmen in Beziehung zueinander zu setzen und den Beitrag jeder einzelnen Maßnahme zum Ganzen zu erfassen (Multi-Channel-Tracking, Attribution-Modelling). Die Herausforderung wird darin bestehen, die riesigen Datenmengen zu analysieren und interpretieren. Das Marketing der Zukunft, lässt sich unter folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Ganzheitlich / Multi-Channel
  • Kreativ / Emotionalisierend
  • Analytisch
  • Technisch
  • Professionell / Hoher Spezialisierungsgrad
 

15 Responses to “Inbound-Marketing Definition:Marketing das anzieht, begeistert & nicht nervt”

  1. Nicolai sagt:

    Starker Post!

    lG
    Nicolai

  2. […] Kopp hat das in einem Artikel sehr ausführlich erläutert. Er sieht Content- Marketing in erster Linie als operative Handlung, die in Kampagnen erfolgt. […]

  3. […] als Schriftsteller oder Musiker. Bei meinen Recherchen im deutschen Raum bin ich  auf einen  ausführlichen Artikel von Olaf Kopp gestoßen, der sich in seinem Blog ebenfalls dem Thema widmet und schöne Beiträge zu Inbound […]

  4. […] als Schriftsteller oder Musikerin. Bei meinen Recherchen im deutschen Raum bin ich  auf einen ausführlichen Artikel von Olaf Kopp gestoßen, der sich in seinem Blog ebenfalls dem Thema widmet und schöne Beiträge zu Inbound […]

  5. […] häufiger vom Begriff des Inbound Marketing abgegrenzt (siehe Beitrag von ranking-check.de, sem-deutschland.de und moz.com). Dabei möchte ich nun weniger diskutieren, was zu welchem Bereich gehört, […]

  6. […] heute bin ich bei Olaf Kopp nochmal über den Begriff “Inbound-Marketing” gestolpert mit dem ja ebenso wie mit Content-Marketing in der Online-Marketing Beraterszene in den […]

  7. […] Marketing: Abgrenzung zum Online- und Content-Marketing http://www.sem-deutschland.de/inbound-marketing-content/was-inbound-marketing/ Tags: B2B, Content Marketing, Inbound Marketing, SEO, Social […]

  8. […] Manche benutzen auch den Begriff Inbound-Marketing als Synonym für Content-Marketing. Zu einer Abgrenzung der beiden Begriffe kann ich deshalb diesen Beitrag empfehlen: „Inbound-Marketing-Definition: Abgrenzung zum Online- & Content-Marketing“ […]

  9. […] wieder ein Wahnsinnsbeitrag zur aktuellen Inbound/ Content-Marketing Diskussion gab es von Olaf Klopp Anfang Mai. So versucht er sich an einer eigenen Definition von Inbound […]

  10. […] Nun geht es dem Praxisbeipiel “MyTop10″ von Schweiz Tourismus an den Kragen: Entspricht es den Anforderungen des Content-Zielkreuzes von Olaf Kopp 2013? […]

Aufgesang Social Media:

Kundenstimmen

Sympathische & professionelle Agentur
„Aufgesang unterstützt uns, seit über einem Jahr bei unseren Online-Marketing-Aktivitäten. Eine Bewertung? Wir machen es kurz: 5 von 5 Sternen. Auf eine weiterhin so umsichtige und professionelle, wie gleichermaßen sympathische Zusammenarbeit.“ Ann-Kathrin Göricke, Assistentin Leiter Verkauf, Autohaus Winter KG

Unsere Agentur-Kunden:

Kostenlose Erstberatung:


Aufgesang Inbound Online Marketing
Braunstraße 6A / 2.Etage
30169
Hannover
info[at]aufgesang.de

Jetzt anrufen!
0511-92399944

Online Marketing Agentur Kontakt