Der Spruch „Content is King, but Distribution is Queen“ geistert seit Jahren durch diverse Marketing-Medien. Doch was genau bedeutet Content-Distribution? Was ist der Unterschied zwischen Content-Seeding, Content-Promotion, Native Advertising und Content-Outreach? Und wie funktioniert eine nutzerzentrierte systematische Content-Distribution? Nachfolgend mehr dazu.

Für diesen Beitrag habe ich mir Unterstützung von Redakteuren wie Cornelia Dlugos (t3n) und Oliver Engelbrecht (Growth Up), PR-Profis wie meinen Kollegen Ulf-Hendrik-Schrader sowie mit Coskun Tuna einen echten Experten für Native Advertising dazu geholt.

Was ist Content-Distribution?

Content-Distribution ist eine Maßnahme im Content-Marketing zur Verteilung von Inhalten über Paid-Media, Earned-Media und Owned-Media. Technische unterstützende Hilfsmittel für die systematische automatisierte Content-Distribution können dabei Marketing-Automation oder Retargeting-Funktionalitäten sein.

Im Content-Marketing-Prozess sehen wir bei Aufgesang die Content-Distribution zwischen den Phasen der Content-Produktion und der Content-Evaluation.

Content-Marketing-Prozess bei Aufgesang

Dabei wird die Content-Produktion maßgeblich durch die Content-Konzeption beeinflusst, da sich die Art der Content-Distribution in erster Linie am Content-Format, -Ziel und -Zweck orientiert.

Welche Medientypen für die Content-Distribution gibt es?

Die klassischen Medientypen in der Mediaplanung werden nach Owned-, Earned- und Paid-Media differenziert. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz auf diese Medientypen und deren Charakteristika eingehen, da ich sie als Marketing-Grundwissen voraussetze.

Vor- und Nachteile von Owned Media bei der Content-Distribution

Owned Media zeichnet sich durch eine volle Kontrolle über die publizierten redaktionellen Inhalte aus. Bei diesem Medientyp kann man den Inhalt gemäß Ziel und Zweck vollumfänglich  steuern. Der große Nachteil liegt in der Skalierbarkeit und Reichweite. Gerade junge Unternehmen und unbekanntere Marken verfügen in der Regel über keine eigenen reichweitenstarken Assets wie zum Beispiel E-Mail-Adressen oder Fans in sozialen Medien. Damit ist Content-Distribution über Owned Media ohne Unterstützung durch Paid Media oft nur sehr begrenzt und nicht skalierbar möglich.

Ich würde den Medientyp Owned Media mit Owned Profiles noch um einen weiteren Teilbereich erweitern. Bei Profilen in sozialen Medien und anderen Fremdplattformen hat man zwar in der Regel die volle Kontrolle über den eigenen Content, aber streng genommen gehört dieser nicht mir selbst. Er kann jederzeit vom Plattformbetreiber modifiziert oder gelöscht werden. Zudem hat man nur bedingten Einfluss auf die Reichweite.

 

Vor- und Nachteile Earned Media

Earned Media kann man grob in zwei unterschiedliche Bereiche differenzieren. Der Bereich, der oft der PR zugeordnet wird ist die Beziehungspflege zu Influencern oder Multiplikatoren und deren Beeinflussung beziehungsweise Überzeugung zu Gunsten des eigenen Unternehmens, ohne dass dabei Geld fließt. Der zweite Bereich ist die Überzeugung oder die Beeinflussung von Algorithmen. Das wohl bekannteste Tätigkeitsfeld ist hier die Suchmaschinenoptimierung.

Der große Vorteil an Earned Media ist der Reputation-Gewinn. Wenn man die Gunst eines Gatekeepers in Form eines Bloggers, Redakteurs oder anderen Multiplikators gewonnen hat und im redaktionellen Umfeld eines renommierten Mediums stattfindet wirkt sich das direkt auf das Vertrauen in das eigene (redaktionelle) Angebot und den Aufbau der Marke aus. Zudem ist es eine Empfehlung und kann durch eine Verlinkung auch für Traffic auf dem eigenen Medium sorgen.

Der große Nachteil ist die fehlende Skalierbarkeit.

Vor- und Nachteile Paid Media

Paid Media zeichnet sich durch Skalierbarkeit und je nach System und Anwendungsweise, durch gezieltes Targeting aus. Aber die Gewinnung von neuen Kontakten ist oft teuer, da Paid Media auch immer mit Streuverlusten einhergeht. Streuverluste lassen sich allerdings durch den smarten und systematischen Einsatz von Retargeting minimieren. Dafür benötigt man jedoch eine Datenbasis.

Native Advertising als Sonderform von Paid-Media versucht über Advertorials die Skalierbarkeit von Paid Media und den Branding-Effekt von Earned Media zusammenzubringen.

Formen der Content-Distribution

Bei den verschiedenen Formen der Content-Distribution gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Herangehensweisen.

Möchte man Content-Distribution zur Bekanntmachung beziehungsweise Bewerbung von Inhalten auf eigenen Plattformen wie zum Beispiel der eigenen Website oder dem Blog durchführen sind die verschiedenen Distributionsformen als Kanäle zu verstehen, die Besucher auf die eigene Website führen. Dieses Vorgehen hat Vorteile, da man den gewonnen Traffic klassifizieren und mehrfach wiederverwerten kann. Stichwort Retargeting und Marketing-Automation. Dazu mehr im Abschnitt Content-Distribution entlang der Customer-Journey.

Man kann Content-Distribution, aber auch als Art und Weise verstehen eigenständige Inhalte in sozialen Medien oder via Gastbeiträgen in Blogs, Magazinen oder anderen kollaborativen Fremdmedien wie zum Beispiel medium.com zu veröffentlichen. Hierbei steht die Präsenz der Marke beziehungsweise der Produkte in vertrauenswürdigen Drittmedien im Vordergrund. Der Vorteil daran ist, dass sich die Reputation und Autorität des Fremdmediums positiv auf die eigene Marke auswirken können. Branding ist das Haupziel, nicht die Generierung von Traffic. Nachteil ist dabei, dass eine direkte Mehrfachverwertung des Traffics  nicht möglich ist.

Diese Form der Content-Distribution kann dem Medientyp Earned Media zugeordnet werden.

Sind die klassischen Medientypen Owned-, Earned- und Paid-Media noch sinnvoll?

Mirko Lange hat in seinem Beitrag Die “ 8 Hebel des Content-Marketings “ diese Art der Klassifizierung in Bezug auf Content-Marketing in Frage gestellt, da es nicht nutzerzentriert sei und ein eigenes Modell entworfen.

Medientypen für das Content-Marketing nach Mirko Lange, Quelle: Scompler

Es ist eine Sache der Perspektive. Mirko hat die Thematik  aus Sicht des Contents betrachtet, den der Nutzer konsumiert.  Das „Wo“ ist ihm nicht so wichtig, sondern das  „Was“.

Coskun Tuna von Seeding Alliance betrachtet das Thema Content Distribution ähnlich wie Mirko.

Wenn wir von Content-Distribution reden muss dann nicht Content auch als solcher distribuiert werden? Viele verstehen Content-Distribution über Paid Media als reine Traffic-Zuführung. bei dieser werden nach dem klassischen Köder Prinzip Konsumenten über Häppchen, in Form von Text-Bild-Anzeigen, Suchmaschinen oder Social Media Werbung zur bereitgestellten Information per Klick ab- und herangeholt. Müsste es aber nicht eben um den Transport einer kompletten Botschaft hin zum Adressaten gehen? Und zwar an den Ort, wo er den Content in voller Länger konsumieren kann? Andernfalls dürfte man ja auch nicht von Content-Distribution reden.

Wie man das Ganze  betrachtet ist eine Philosophie-Frage. Wenn man Content-Distribution nicht als Mittel zur Verbreitung beziehungsweise Verteilung von Inhalten versteht, sondern als Überbringer strategischer Markenbotschaften unter dem Dach einer Core-Story in Form von Content dann mag Mirkos Modell durchaus sinnvoll sein. Das wäre dann eine Frage der strategischen Perspektive.

Sieht man Content-Distribution, aber auch als taktisches Instrument für die Verbreitung von Inhalten sind Distributions-Arten auch als Verbreitungsgskanäle zur Trafficgenerierung zu verstehen. Auf dieser taktischen Ebene ist das „klassische“ Medientypen-Modell nach meiner Meinung immer noch sinnvoll, da das „Wo“doch eine Rolle spielt.

Ich verstehe Coskuns und Mirkos Ansatz von Content-Distribution. Ich bin aber ein großer Freund davon Traffic auf die eigene Website zu bekommen, da ich diesen nur dann qualifizieren und weiter verwerten kann. Wenn man Content-Distribution als reines PR- und Branding-Instrument betrachtet steht die Traffic-Zulieferung nicht im Fokus. Sobald man aber die Brücke zum Online-Marketing und der Customer Journey schlagen möchte braucht man den Traffic auf der eigenen Seite.

Wichtig bleibt an dieser Stelle zusammenfassend festzuhalten, dass Content-Distribution nicht nur die Bewerbung von Inhalten ist, sondern genauso die Platzierung von Inhalten auf Fremdmedien.

Welche Arten der Content-Distribution gibt es?

In der Content-Distribution unterscheiden wir bei Aufgesang zwischen folgenden Arten:

Was ist Content-Outreach?

Content-Outreach ist eine Art der Content-Distribution, bei der über die Kontaktaufnahme und Beziehungspflege mit Multiplikatoren eine Berichterstattung über beziehungsweise das Teilen von Inhalten begünstigt werden soll. Die Zielgruppe oder Zielpersonen für den Outreach können Redakteure, Blogger, Influencer und andere gut vernetzte Multiplikatoren sein.

So kann man zum Beispiel folgende Aufgabengebiete zum Content-Outreach zählen:

  • Medienkooperationen
  • Influencer-Relations
  • Blogger-Relations
  • Pressearbeit / Medienarbeit

In Bezug auf die Content-Distribution spielen die Themen Influencer-Relations und Influencer-Marketing auch eine wichtige Rolle.

Mehr dazu im Beitrag Influencer Marketing: Das Arbeiten mit Influencern .

Des Weiteren kann als Content-Outreach das Publizieren von Inhalten auf Fremdmedien, bei denen man selbst nicht die redaktionelle Hoheit besitzt, bezeichnet werden.

Das können zum Beispiel folgende Formate sein:

  • Gastbeiträge
  • Vorträge auf Fremd-Events
  • Redaktionelle Beiträge in Funk und Fernsehen

Der Vorteil an dieser Verteilungsart ist, dass man über unabhängige Medien Zugang zu neuen Zielgruppen erhält beziehungsweise zusätzliche Reichweite für Content und Marke erzeugen kann. Zudem profitiert man von der Autorität und Glaubwürdigkeit des publizierenden Mediums oder der publizierenden Personen. Das erhöht sowohl das Vertrauen in den Inhalt, als auch den Urheber des Inhalts.

Der große Nachteil beim Content-Outreach ist die fehlende Skalierbarkeit und die je nach Format geringe redaktionelle Kontrolle. Grundsätzlich lassen sich einige Vorabmaßnahmen über Methoden wie zum Beispiel Agenda-Surfing oder Newsjacking in der Planung berücksichtigen. Allerdings  kann man im Vorfeld nur schwer vorhersagen inwiefern sich Redakteure oder Blogger für einen Inhalt begeistern lassen.

Zudem entscheiden vor allem in größeren Redaktionen am Ende  zum Beispiel im Rahmen einer Redaktionssitzung auch noch andere Personen als die Ansprechpartner selber, ob ein Thema einen Platz im Redaktionsplan erhält.

Ich habe einige Redakteure und PR-Spezialisten befragt, um die verschiedenen Perspektiven aus Redaktions- und PR-Sicht auf das Thema Content-Outreach darzustellen.

Content-Outreach aus PR-Sicht

Ulf-Hendrik-Schrader, Geschäftsführer Aufgesang GmbH

Um das Thema Content-Outreach aus der PR-Perspektive zu beleuchten habe ich meinem Geschäftspartner und alten PR-Hasen Ulf-Hendrik-Schrader einige Fragen gestellt.

Was sind die größten Herausforderungen in Sachen Content-Distribution insbesondere via PR-Outreach?

Das ist in allererster Linie eine konzeptionelle Herausforderung, denn ein erfolgreiches Outreaching setzt ja nicht nur relevante Inhalte voraus. Entscheidend ist auch, dass ich mich zur Bestimmung der Relevanz hinreichend mit der Frage beschäftigt habe, wer eigentlich meine Multiplikatoren sein werden. Vor eine weitere Herausforderung stellt uns der Wunsch vor allem namhafter Medien nach Exklusivität, dem wir so natürlich erst mal nicht nachkommen wollen.

Ein konzeptioneller Lösungsansatz ist hier, den Content so zu planen, dass wir hinterher mehrere Teil-Exklusivitäten einräumen können.

Als problematisch empfinde ich die Entwicklung, dass – vielleicht auch wegen zu vieler plumper Ansprachen in der Vergangenheit – immer mehr der Angesprochenen Geld für eine Veröffentlichung fordern. Das macht Content-Marketing-Kampagnen zum Beispiel als Linkbuilding-Instrument nicht wirklich attraktiver.

 

Wo siehst Du die Vorteile von Outreach im Vergleich zu anderen Methoden der Content-Distribution?

Ich sehe da zwei wesentliche Vorteile: Richtig gemacht besteht der eine im Beziehungsaufbau zu wichtigen Persönlichkeiten und Meinungsbildnern. Gerade wenn wir diese Menschen nicht erst ganz am Ende für mehr Reichweite instrumentalisieren, sondern schon frühzeitig konstruktiv in unser Vorhaben einbeziehen, das beispielsweise eine gemeinsame Wertebasis erlebbar macht, kann das großartige Effekte für die Marke haben.

Im Gegensatz zu Paid oder auch Owned Media hat Earned Media außerdem immer eine deutlich höhere Credibility, was nicht nur der Reputation, sondern auch dem Ranking zugutekommen dürfte.

Gibt es Branchen oder Geschäftsmodelle für die sich Outreach sehr gut eignet?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. Mit der richtigen Idee kann eine Content-Kampagne auch zu vermeintlich trockenen Themen sehr erfolgreich sein. Grundsätzlich hilft es aber, wenn ein Thema möglichst viele Menschen betrifft und sich gut emotionalisieren lässt. Da sind beispielsweise Automotive, Touristik, Healthcare, viele NGOs aber auch die Versicherungswirtschaft klar im Vorteil.

Wie skalierbar ist die Content-Distribution via Outreach möglich?

Nach unserem Verständnis ist Outreach nur sehr bedingt skalierbar. Erstens gibt es einfach nur eine gewisse Anzahl relevanter Redaktionen und anderer Multiplikatoren, die überhaupt ansprechbar sind. Und zweitens beschränkt man sich zumindest in der persönlichen 1:1-Ansprache aus Budgetgründen häufig auf die wichtigsten dieser Adressaten, so dass der Grenznutzen des Outreachs recht schnell erreicht ist. Für vertretbar halte ich je nach Größe und Potenzial des Adressatenpools ca. 15 bis 30 persönliche Dialogstränge.

Auf was sollte man achten wenn man Multiplikatoren wie Redakteure, Blogger, Journalisten … für Inhalte begeistern möchte?

Auf Relevanz und Einzigartigkeit des Contents, die jeweiligen Anforderungen der Adressaten und wo möglich eine frühe Miteinbeziehung. Ein wenig Eventcharakter kann auch nicht schaden. Im ersten Schritt geht es immer darum, aus der Masse herauszuragen und aufzufallen.

Content-Outreach aus der Redaktions-Perspektive?

Jede Redaktion wird ihre eigene Regeln und Vorgehensweisen haben, wie sie mit dem Thema umgehen. Ich habe hier mal zwei Redakteure ausgewählt.

Oliver Engelbrecht, Redakteur, Chefredakteur bei GrowthUp

Cornelia Dlugos, Redakteurin bei t3n

Wie wünscht Ihr Euch als Redakteure die Kontaktaufnahme, wenn Euch jemand mit Informationen zu mehr oder weniger spannenden Inhalten versorgen möchte?

Cornelia Dlugos: 

Am besten ist es immer, den entsprechenden Redakteur eines Ressorts direkt zu kontaktieren oder – wenn an die zentrale Redaktions-Adresse geschrieben wird – die gewünschte Ansprechperson zu nennen. So ist es viel wahrscheinlicher, dass die Nachricht auch bei der richtigen Person landet.

Oliver Engelbrecht:

Wenn ich die Person kenne oder es jemand aus der Branche ist, darf es gerne der „kurze Dienstweg“ über Facebook sein. Da lassen sich solche Dinge meistens schnell und zielführend klären. In allen anderen Fällen geht nichts über die E-Mail. Hier antworte ich meistens sehr schnell. Wenn die Person aber auch nach dem zweiten Nachfassen nichts von mir gehört hat, halte ich sie wohl für Spam.

Welche Informationen benötigt Ihr, damit Ihr Euch schnell ein Bild davon machen könnt, ob etwas interessant ist oder nicht?

Cornelia Dlugos: 

Lange, mit Buzzwords überladene Texte liest keiner gerne und im Redaktionsalltag bleibt dafür auch wenig Zeit. Besser sind knappe Zusammenfassungen, worum es geht, warum wir uns überhaupt damit beschäftigen sollten und was der Mehrwert für unsere Leser ist.

Oliver Engelbrecht:

Wichtig ist, dass ich die Expertise meines Gegenübers einschätzen kann. Wenn ich jemanden nicht kenne, brauche ich Infos zur Person, um einschätzen zu können, inwiefern jemand inhaltlich und qualitativ zu meiner Publikation passt. Ansonsten interessiert mich, was die Person genau möchte. Ein Zitat unterbringen? Einen Gastartikel schreiben? Einfach einen Backlink – egal wie? Die Motivation, die hinter der Kontaktaufnahme steht, ist oft schon ein guter Indikator für die Qualität, die mich am Ende erwarten wird.

Und ganz wichtig: eine feste Deadline. Nichts ist schlimmer, als am Tag vor einer geplanten Veröffentlichung den Redaktionskalender über den Haufen werfen zu müssen.

Welche Rolle spielt hier die klassische Pressemitteilung?

Cornelia Dlugos: 

Eine eher untergeordnete. Die „gute alte“ Pressemitteilung ist meist unpersönlich, voll mit Superlativen, Buzzwords und Marketing-Phrasen. Außerdem werden sie meist an einen riesigen Verteiler verschickt, sodass große Streuverluste entstehen. Denn etliche Pressemitteilungen sind entweder irrelevant, zu kleinteilig für eine eigene Meldung oder landen bei der falschen Person.

Oliver Engelbrecht:

Pressemitteilungen sind in meinem Umfeld in den seltensten Fällen relevant. Sie können bei der Recherche helfen, aber grundsätzlich lassen sich alle offenen Fragen auch auf anderen Wegen beantworten. Und auch für Zitate von Meinungsführern kann man heute einfach die sozialen Netzwerke nutzen und umgeht so die gestelzten Formulierungen der Presseabteilungen.

Ich bin eigentlich froh, wenn ich keine PMs mehr bekomme. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal eine komplett gelesen habe.

Zum Thema Pressemitteilungen als Mittel zur Content-Distribution hat Ulf-Hendrik-Schrader auch noch eine Meinung aus PR-Sicht.

Ulf-Hendrik-Schrader:

Wenn man im Rahmen von Outreach-Kampagnen viel Zeit auf das Kontaktieren von Journalisten verwenden darf, sind persönliche Gespräche und E-Mails immer einer nur teilpersonalisierten Distribution von Pressemitteilungen vorzuziehen. In der Praxis ist die Kombination am häufigsten anzutreffen: Die wichtigsten Kontakte werden persönlich angesprochen, die restlichen automatisiert – jeweils mit einer Pressemitteilung im Gepäck.

Auch bei Pressemitteilungen kommt es also immer darauf an, wie man sie nutzt. Im Aufgesang-PR-Team versuchen wir immer, die Relevanz einer Meldung möglichst pointiert herauszuarbeiten und den Journalisten mit der Pressemitteilung eine handwerklich so gut umgesetzte Information an die Hand zu geben, dass sie daraus mit wenig Aufwand einen für ihre Leser interessanten Beitrag umsetzen können. Dazu gehört auch, professionelles Bildmaterial mitzuliefern. Das können IPTC-kodierte Pressefotos genauso sein, wie am Thema visualisierte Infografiken.

Wer mehr Interesse an dem Thema hat, findet sehr viele Tipps und Hinweise in unserem Leitfaden PR-Distribution:https://www.aufgesang.de/leitfaden-distribution-von-pressemitteilungen-18763

Was sollte man auf keinen Fall tun, um nicht gleich beim ersten Kontakt in die „Schublade uninteressant“ zu rutschen?

Cornelia Dlugos: 

  • Eine total unpersönliche Ansprache wählen.
  • Noch schlimmer: Namen falsch schreiben. Manche Nachnamen sind nicht leicht auszusprechen (ich kenn das aus eigener Erfahrung), aber fehlerfreies Abtippen sollte doch wohl möglich sein.
  • Ein x-beliebiges Thema / einen wahllos herausgepickten Artikel als Aufhänger für das eigene Anliegen zu nehmen.
  • Zu schnell nachfassen: Wenn es sich nicht gerade um ein zeitkritisches Thema handelt, muss man nicht gleich am nächsten Tag nachfragen. Manchmal dauert es etwas, sich mit einem Thema zu beschäftigen und nur weil andere Aufgaben gerade wichtiger sind, heißt es nicht, dass betreffende Mail unwichtig ist.

Generell gilt: Wer sich vorher genau über den richtigen Ansprechpartner informiert, auf Massenanschreiben verzichtet und sich selbst ein wenig überlegt, warum sich der Gegenüber mit dem Thema beschäftigen sollte, wird auch angehört – auch ohne ganze Romane voller Phrasen zu schreiben.

Oliver Engelbrecht:

Wir alle kennen die gefürchteten Formulierungen von Gastbeiträgen mit „tollem Mehrwert für eure Leser“, die am besten „mindestens für ein Jahr online bleiben“ sollen. Da weiß ich eigentlich sofort, dass wieder jemand einen Link zu einer Casino-Website platzieren will und antworte gar nicht erst.

Außerdem ist es anstrengend, Anfragen zu erhalten, die gar nicht zum Thema meiner Publikation passen. Wer sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, die Navigation durchzuklicken und zu schauen, wo sein Beitrag denn landen könnte, wird wohl kein verlässlicher Kooperationspartner sein.

Was ist Content-Seeding?

Als Content-Seeding wird die Verteilung von Inhalten als Teaser oder kompletter redaktioneller Beitrag über Owned Media oder eigene Profile in Fremdmedien bezeichnet.

Owned Media können sein

  • Die eigene Website
  • Der eigene Blog
  • Der eigene Newsletter
  • Direktnachrichten an Abonennten via Messenger oder Whatsapp
  • Eigene Events
  • Erstberatungen, Support, Service via Telefon
  • Mailings
  • RSS-Feeds
  • Eigene Vodcasts
  • Eigene Podcasts
  • Chat-Bots

Fremdmedien mit eigenen Profilen können sein:

  • Alle Formen von Social Media wie
    • Facebook
    • Twitter
    • YouTube
    • Google+
    • XING
    • LinkedIn
    • Instagram
    • Pinterest
  • Frei zugängliche redaktionelle Portale für Content-Publikation wie
    • medium.com
    • LinkedIn Pulse
    • Social-Media-Gruppen bei zum Beispiel XING oder Facebook

Der Vorteil beim Content-Seeding ist, dass man die komplette redaktionelle Kontrolle besitzt und es ist kostenlos.

Die eigenen Medien oder Kanäle und damit die Voraussetzung für ein erfolgreiches Content-Seeding sind ein wertvolles eigenes Asset. Dementsprechend sollten diese sorgsam ausgewählt und stetig zu Gunsten der Unabhängigkeit aufgegbaut werden. Der Fokus sollte dabei immer auf den wirklichen eigenen Assets beziehungsweise Owned Media liegen.

Die organischen Reichweiten der eigenen Social-Media-Profile können von den Plattform-Betreibern zu Gunsten der Paid-Optionen beschnitten werden. Hier ist Facebook das bekannteste Beispiel. Facebook hat in den vergangenen Jahren die organische Reichweite von Fanseiten immer weiter gegen Null konvergieren lassen. (Mehr dazu bei den Kollegen von allfacebook.de)

Sprich man hat zwar die volle Kommunikationskontrolle, aber keine Kontrolle über die Reichweite. Es sei denn man hat eigene Systeme, wie zum Beispiel einen eigenen Bestand an Messenger- oder Newsletter-Abonnenten.

 

Was ist Content-Promotion?

Content-Promotion ist eine Art der Content-Distribution via Paid-Media. Für die Content-Promotion können jegliche Formen der TKP- und Pay-per-Click- beziehunsgweise PPC-Werbung genutzt werden.

Wie immer gilt auch hier keine pauschale Aussage, aber Text-Bild-Anzeigenformate sind für die Content-Distribution in der Regel besser geeignet als klassische Display-Banner, da diese oft schnell mit Produktwerbung in Zusammenhang gebracht werden und damit im menschlichen Werbefilter landen und durch browserbasierte Ad-Blocker gar nicht erst ausgeliefert werden.

Für Content-Promotion empfehle ich die Auslieferung in erster Linie über Anzeigen mit nativer Natur. Also Anzeigenformate, die nah an redaktionellen Inhalten positioniert sind wie zum Beispiel innerhalb des News-Streams bei Facebook. Zumindest wenn es sich um die Bewerbung produktferner Inhalte  handelt.

Für Content-Promotion stehen für die Content-Verteilung eine Vielzahl möglicher Werbesyteme zur Verfügung wie

  • Facebook-Ads und Instagram-Werbung
  • Twitter-Ads
  • Youtube-Werbung
  • SEA (Google AdWords, Bing etc.)
  • XING-Ads
  • Linkedin-Ads
  • Snapchat-Ads
  • Display-Werbung über das Google Display Netzwerk, Plattformen für Programmatic-Advertising und Vermarkter.

Eine Hybrid-Form zwischen Content-Promotion und Native Advertsing sind die Werbesysteme, der sogenannten Content-Discovery Networks wie

  • Outbrain
  • Plista
  • Ligatus
  • Taboola
  • Seeding Alliance

Diese Anbieter haben gegenüber anderen Marktteilnehmern den großen Vorteil, dass sie Kooperationen mit großen Publishern eingehen und somit auch präsentere Werbeflächen bei diesen anbieten können als zum Beispiel das Google-Display-Netzwerk. Während man  über das Google-Display-Netzwerk in erster Linie Werbeflächen auf kleineren bzw. unbekannteren Seiten ansteuern kann, bieten Plista & Co. die Auslieferung von Anzeigen auf reichweitenstarken „Premium-Portalen“ an.

Hier werden meistens Text-Bild-Anzeigen mit nativem Charakter wie in diesen Beispielen eingesetzt.  

Plista Anzeigen bei golem.de

Plista-Anzeigen bei golem.de

Outbrain Anzeigen bei t3n

Outbrain-Anzeigen bei t3n

Native Advertising ist sowohl bezahlte Werbung nahe redaktioneller Inhalte und gekaufte redaktionelle Inhalte selbst. Damit ist es je nach Ausprägung sowohl Paid Media als auch Earned Media.

Dazu weiter unten aber mehr.

Möglichkeiten der Content-Promotion über Werbung direkt im redaktionellen Stream wie bei Facebook oder Twitter haben je nach Inhalt einen nativen Charakter.

Bei der Display-Werbung im Google-Display-Netzwerk, den Plattformen für Programmatic-Avertising und bei YouTube-Werbung stehen Werbetreibenden und Content-Marktetern eine Vielzahl an statischen und animierten Bannerformaten sowie Video-Formate zur Verfügung.

Allerdings sind Banner am weitesten vom Native Advertising entfernt, da sie offensichtlich als Werbung wahrgenommen werden. Sie eignen sich dadurch nicht immer für Content-Promotion.

Ich habe 2014 einen Performance-Test zu unterschiedlichen Methoden für Content-Promotion durchgeführt (siehe den Beitrag Content-Promotion über Paid Media: Erfahrungsbericht & (Performance-)Vergleich ).

Was ist Native Advertsing?

Native Advertising ist eine Form der bezahlten Content-Distribution, meistens in Form von meistens Text-Bild-Anzeigen, aber auch der Platzierung kompletter redaktioneller Inhalte auf Fremdmedien via Advertorials. Advertorials sind gekaufte redaktionelle Beiträge, die im normalen redaktionellen Stream eines Mediums stattfinden.

Das ist die aktuell verbreitetste Definition von Native Advertising.

Zum Thema Native Advertising gibt es aber verschiedene Definitionen und Sichtweisen. Hier einige davon:

Wikipedia Deutschland:

Native Advertising (zu Deutsch „Werbung im bekannten Umfeld“) ist eine Form von Werbung im Internet und in Printmedien, die durch das Anbieten von Inhalten so gestaltet ist, dass sie nur schwer von redaktionellen Artikeln zu unterscheiden ist und die Aufmerksamkeit der Nutzer durch Tarnung auf sich zieht.

iab Austria:

Native Advertising ist eine bezahlte Form der Medienplatzierung/Content Distribution (auf Medien, die nicht dem Unternehmen gehören) um informative, beratende oder unterhaltsame Inhalte an eine vorab definierte Zielgruppe zu kommunizieren. Der große Unterschied zur klassischen Werbeeinschaltung ist, dass das Userverhalten nicht gestört wird und der Inhalt des Absenders im Look and Feel des Trägermediums platziert wird… Von Native Advertising spricht man, wenn bestimmte Werbeformate – wir nennen sie in diesem Playbook Native Ad Units (siehe folgende Definition) – UserInnen auf Mehrwert bietenden Content lenken. Bei diesem handelt es sich meistens um Content auf einer Destination des Unternehmens (Content Marketing) oder um bezahlte Inhalte auf einer Destination des Publishers (Sponsored Content).

Outbrain:

Native Advertising ist eine Art der bezahlten Online-Werbung, die sehr häufig von Content Marketern angewandt wird. Unter Native Advertising versteht man jede Art von bezahltem Content, der inhaltlich und optisch an das Umfeld einer Webseite angepasst ist. Dazu gehören sowohl gesponserte Tweets auf Twitter, vorgeschlagene Posts auf Facebook als auch redaktionelle Content-Empfehlungen von Content-Discovery-Plattformen wie Outbrain.

Ich persönlich finde die Definition von iab Austria am passendsten. Die Wikipedia-Definition ist mir ein bisschen zu ungenau und die Defintion von Outbrain zu breit. Werbung auf Facebook, Twitter und Co. würde ich differenziert von Native Advertising betrachten, da sonst auch Suchmaschinenwerbung eine Form des Native Advertisings wäre.

Zusammenfassend ist das meine Definition von Native Advertising:

Native Advertising ist eine bezahlte Form der Content-Distribution, die sowohl Werbeanzeigen sogenannte Native Ads und bezahlte Inhalte in Form von Advertorials umfasst. Native Advertising befindet sich damit im Content-Distributions-Mix zwischen dem Content-Outreach und der Content-Promotion.

Hier gibt es aber wie so oft unterschiedliche Sichtweisen.

Für Coskun Tuna  sind nur Advertorials wirkliches Native Advertising und zwar in den verschiedenen Ausprägungen Native Advertorial und True Native Advertising.

Das True Native Advertising ist vereinfacht gesprochen die skalierbare Version eines Advertorials über mehrere Medien hinweg.

Für Coskun gehören bezahlte Anzeigen, die Content bewerben nicht zur Definition von Native Advertising.

Die Text-Bild-Anzeige hat sich lediglich als Native Advertising Format einschleichen und etablieren können, weil es schon länger im redaktionellen Umfeld platziert und gleich zu Beginn des Aufkommens von Native Advertising als solches vermarktet wurde. Während das Native Advertorial und das True Native Advertising dafür sorgen, dass sich der Content im Medium öffnet, in dem der Konsument den Inhalt aufruft, entsteht bei der Text-Bild-Anzeige durch einen Klick ein Bruch. Der Konsument wird auf eine fremde Umgebung entführt. Das widerspricht völlig dem nativen Gedanken.

Ich finde den Gedanken schlüssig und würde deswegen die Text-Bild-Anzeigen der Content-Discovey-Netzwerke als Hybrid-Form aus Native Advertising und Content-Promotion einordnen.

Zusammengefasst gibt es folgende Ausprägungen von Native Advertising:

  • Influencer-Marketing
  • True Native Advertising
  • Native Advertorials
  • Text-Bild-Anzeigen über Content-Discovery-Networks

 

Die Vorteile von Native Advertising

Die Vorteile von Native Advertising liegen im redaktionellen Umfeld, in dem die „Werbung“ stattfindet.

Coskun Tuna: Der Content wird dabei als Werbung gekennzeichnet und hinsichtlich Form, Funktion und Kontext, frei von Störungen und Unterbrechungen in die redaktionelle Umgebung des Publishers integriert. Wo es vom Konsumenten auch in sozialen Netzwerken geteilt werden kann. Mit das Wichtigste bei Native Advertising ist also nicht die Absicht zu täuschen, sondern stör- und unterbrecherfrei, die gewohnte Handhabung von redaktionellen Inhalten nachzuahmen. Von der Veröffentlichung im redaktionellen Umfeld, bis hin zur Teilbarkeit in Social Networks. So, wie es der Konsument kennt und tagtäglich im Umfang mit originären redaktionellen Inhalten vollzieht. Die Vorteile sind sehr eindeutig. Weg von plakativer, störender und unterbrechender Werbung stringent hin zu einer Ebene mit hohem inhaltlichen Nutzwert, in gewohnter Handhabung. Das ist eine Königsdisziplin. Vor allem weil es ein Umdenken in der Ansprache und der Informationsvermittlung verlangt, weg von dem Vorgehen, auf das die Branche in den letzten Jahren drauf konditioniert wurde. Nämlich das schnelle und gezielte Ködern des Kunden. Neu ist also der Weg hin zum Konsumenten, mit Themen die ihn umtreiben.

Damit wären auch die Hürden der Ad-Blocker und Werbeblindheit überwunden.

Das komplette Interview mit Coskun Tuna gibt es im Beitrag Was ist Native Advertising und was nicht? Interview mit Coskun Tuna .

Organische Suchergebnisse in Suchmaschinen / SEO

Die organischen Suchergebnisse bei Google & Co. sind eine gute Möglichkeit „kostenlos“, aber natürlich nicht aufwandslos, Inhalte in allen Phasen der Customer-Journey zu verbreiten beziehungsweise auffindbar zu machen.

Da man die Ranking-Algorithmen der Suchmaschinen von der Relevanz und Pertinenz eines Inhalts überzeugen  muss kann man Suchmaschinenoptimierung als Mittel zur Content-Distribution als Earned Media bezeichnen.

Für viele Themen sowie explizite als auch implizite Fragestellungen (Keywords) sind Suchmaschinen der Einstieg in die Recherche.

Es ist schwieriger mit AdWords-Anzeigen Inhalte zu bewerben, als über die organischen Suchtreffer, da sich bei informationsorientierten Keywords eine Großzahl der Klicks  auf die organischen Suchtreffer verteilt.  Oft werden bei dieser Art der Suchanfragen , aufgrund der geringen Klickrate keine AdWords-Anzeigen oder  nur unterhalb der Suchergebnisse ausgeliefert. (Mehr dazu im Beitrag AdWords Qualitätsfaktor: Bedeutung, Einflussfaktoren & Arten)

Mehr zur Suchintention bei Keywords im Beitrag Übersicht zu Keyword-Arten, Nutzerintention & Suchintention  

Es mag Branchen geben, für die fachspezifische Suchmaschinen eine Rolle für die Content-Distribution spielen mögen, aber in den meisten Fällen sollte der Fokus auf Google und YouTube liegen.

Für produktspezifische Inhalte gerade in der Preference-Phase  kann auch Amazon als Produktsuchmaschine eine Rolle spielen, wobei Amazon eine Bruchstelle für eine systematische Content-Marketing-Strategie entlang der Customer Journey darstellt. Mehr dazu weiter unten.

Übersicht Content-Distribution

Nachfolgend eine Übersicht der Medientypen, Content-Distributions-Arten, Kanäle, Tätigkeitsbereichen und möglichen Content-Formaten.

Übersicht Content-Distribution

Übersicht Content-Distribution

Die Teile mit dem grünen Layer stehen für die Bereiche, bei denen die Inhalte direkt auf den Fremdmedien stattfinden beziehungsweise redaktionelle Beiträge auf Fremdmedien gefördert werden sollen.

Übersichtsgrafik Content-Distribution zum Download

Die obige Übersichtsgrafik zum Thema Content-Distribution kannst Du hier in besserer Auflösung gegen das Teilen auf XING, LinkedIn, Facebook oder Twitter downloaden.

Welche Ziele verfolgt Content-Distribution?

Übergeordnetes Ziel der Content Distribution ist es, einen viralen Verbreitungseffekt zu initiieren, der die Gesamtreichweite der eigenen Inhalte und Botschaften bei der als relevant betrachteten Zielgruppe erhöht.

Ich sehe, das etwas anders. Viralität lässt sich nicht Planen und erst recht nicht vorraussagen. Zu viele Eventualitäten und Variablen spielen hier eine Rolle. Von daher würde ich Viralität nicht als Hauptziel für die Content-Distribution sehen.

Viralität ist zudem ein sehr quantitatives Ziel, bei dem es in erster Linie nur um Reichweite geht. Reichweite ist ein sehr oberflächliches Ziel, was nur wenig über die Qualität der Beziehung aussagt.

Deswegen wage ich hier einen Gegenentwurf.

Nach meiner Meinung sind die Ziele der Content-Distribution eng verknüpft mit dem Zweck / Ziel des Contents selbst. Soll der Content unterhalten, informieren, eine Beziehung aufbauen oder verkaufen? (Mehr dazu in dem Beitrag Content-Klassifizierung: Wie attribuiert man Inhalte für die Content-Strategie? ). Auch die Customer-Journey-Phase in der der Inhalt den Konsumenten abholen soll ist entscheidend für die Zieldefinition der Content-Distribution.

Ein Inhalt, der für die Awareness-Phase produziert wurde hat Reichweitenziele. Die Aufgabe solcher Art von Inhalten ist  in erster Linie viele Interessenten in den Customer-Journey-Funnel zu liefern. Hier könnte man natürlich auch Meta-Ziele wie Viralität formulieren. Aber ich würde es eher konkreter zum Beisoiel anhand der Anzahl neuer Besucher oder Besucher beziehunsgweise der Anzahl der Kontaktpunkte vielleicht auch Impressionen  definieren.

Ein Inhalt, der für die Preference-Phase produziert wurde hat „härtere“ Ziele wie  Leads.

Von daher ist eine pauschale Aussage hinsichtlich der Ziele bei der Content-Distribution nicht möglich.

Content-Distribution entlang der Customer-Journey

Wie in meinem Beitrag So entwickelt man eine Online-Marketing-Strategie beschrieben halte ich es für unabdingbar ganzheitliche mehrstufige Strategien entlang der Customer-Journey zu entwickeln und durchzuführen. Das gilt natürlich auch für das Content-Marketing und damit die Content-Distribution.

Die Produktion und Veröffentlichung von Inhalten darf nicht nur Mittel zum Zweck sein, sondern muss auf ein strategisches Unternehmens-Ziel einzahlen. Reichweite ist keins davon.

Dazu, die von mir entwickelte Zielpyramide für das Online-Marketing aus dem Buch „Der Online-Marketing-Manager„.

Online-Marketing-Ziele

Wann man welche Art der Content-Distribution einsetzen sollte lässt sich pauschal nicht sagen, da dies unter anderem entscheidend von  Zieldefinition, Zielgruppe und/oder Content-Format abhängen kann.

Hier empfiehlt sich für die Planung einer mehrstufigen Kampagne oder Strategie eine Touchpoint-Analyse.

Als grobe Richtung kann man aber sagen, dass für Inhalte in der Awareness-Phase nativere Arten der Content-Distribution deutlich mehr Sinn machen. Diese grobe Einordnung habe ich in der folgenden Übersicht zusammengefasst.

Übersicht Content-Distribution entlang der Customer Journey

Übersicht Content-Distribution entlang der Customer Journey

Die technischen Brücken zwischen den Customer-Journey-Phasen lassen sich durch Marketing-Automation, Custom Audiences beziehungsweise Retargeting-Funktionalitäten bauen. Die dafür notwendige Zielgruppen-Segmentierung findet im Optimalfall aufgrund des Nutzerverhaltens auf der eigenen Website statt.

Übersichtsgrafik Content-Distribution entlang der Customer Journey zum Download

Die obige Übersichtsgrafik zum Thema Content-Distribution entlang der Customer-Journey kannst Du hier gegen das Teilen auf XING, LinkedIn, Facebook oder Twitter downloaden.

Attribution in der Content-Distribution entlang der Customer Journey

Wie bereits erwähnt ist die Content-Produktion und -Publikation kein Mittel zum Selbstzweck. Der Erfolg von Content-Marketing muss anhand von messbaren Zielen feststellbar sein. Und damit auch jeder Inhalt der, der einen Touchpoint in der Customer Journey darstellt einen Wertbeitrag zum definierten Hauptunternehmensziel.

Wie hoch der Wert eines Touchpoints ist hängt von der Attribution bzw. dem Attributionsmodell ab, dass ich wähle. Man kann zwischen folgenden Attributionsmodellen unterscheiden:

  • Der volle Wert wird dem letzten Touchpoint zugewiesen (Last Click)
  • Der volle Wert wird dem ersten Touchpoint zugewiesen (Firs Click)
  • Der Wert jedes Touchpoint steigt im Zeitverlauf bzw. entlang der Customer-Journey (Time Decay)
  • Jeder Touchpoint ist gleich viel Wert (Linear)
  • Der erste und letzte Touchpoint bekommen den größten Werten zugeteilt (Position-Based)
  • Dynamische datengetriebene Attribution

Quelle: https://www.thinkwithgoogle.com/intl/de-de/marketingressourcen/daten-und-erfolgsmessung/mittels-attribution-die-customer-journey-besser-verstehen-und-marketingma%C3%9Fnahmen-optimieren/

Die dynamische datengetriebene Attribution ist die Königsdisziplin bedarf aber selbst lernender Algorithmen bzw. Machine Learning. Werbesysteme wie Google AdWords setzen bereits auf derartige Attributionsmodelle. Wer nicht auf solche Systeme zugreift, den empfehle ich die Attribution im Zeitverlauf zumindest bis zur Purchase-Phase der Customer Journey.

Welche Bedeutung haben welche Arten in der Content-Distribution?

Die anteilige Bedeutung von Content-Promotion, Content-Seeding, Content-Outreach, SEO und Native Advertising bei der Content-Distribution  ist nicht pauschal festzulegen, da es von vielen Faktoren abhängt wo welche Touchpoints in welcher Intensität und Qualität für die Content-Distribution gesetzt werden sollten.

Folgende Faktoren können da eine entscheidende Rolle spielen:

  • Branche
  • Content-Format
  • Handelt es sich um Push- oder Pull-Content
  • Zieldefinition
  • Zielgruppe
  • Aktuelle thematische Domain-Autorität
  • Aktuelle Markenpopularität, -Autorität und Reputation
  • Aktuelle Reichweite der eigenen Social-Media-Kanäle
  • Aktuelle Reichweite des eigenen E-Mail-Verteilers

Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, die Suchmaschinen wie Google und/oder soziale Netzwerke wie Facebook priorisieren.

Studie von Statista, Quelle: https://de.statista.com/infografik/9572/verteilung-des-referral-traffics-nach-themen/

Ich denke es gibt bestimmte Säulen für die Content-Distribution, die in den meisten Fällen im Distributions-Mix Sinn ergeben. Das ist eine gute Auffindbarkeit bei Google & Co. also SEO in Kombination mit ausgewählten Elementen aus Content-Promotion, Content-Outreach und Content-Seeding. Der genaue Mix ergibt sich dann aus den oben genannten Faktoren.

In den meisten Fällen wird nur ein Kanal oder Instrument nicht zum Erfolg führen, da immer mindestens eine wichtige Komponente fehlt, um den Zielabschluss vorzubereiten oder abzuschließen.

Generell kann man sagen,  Content-Distribution mit Branding-Fokus legt eine höher Gewichtung auf Earned-Media und Paid-Media. Unternehmen, die Content-Distribution mit Fokus auf Performance-Ziele betreiben wollen, sollten die Prioritäten auf die die eigene Website, den eigenen E-Mail-Verteiler, SEO und Content-Promotion legen sollten. Wobei ich immer wieder betone, dass ich  Branding und Performance nicht voneinander trennen würde, da die Marke die Performance direkt beeinflusst.

Mehr dazu in dem Beitrag Digitaler Markenaufbau: Die Bedeutung der Brand für das Online Marketing

Fazit: Ohne Content-Distribution kein Erfolg im Content-Marketing

In einer systematischen Content-Distribution liegt die Antwort sowohl auf den Content-Schock als auch auf die Effizienzfrage im Content-Marketing. 

Inhalte, die nicht gefunden werden, werden nicht konsumiert und sind für die Tonne. Vernachlässigt man die Content-Distribution bei der Content-Analyse, Content-Konzeption und-Produktion hat man nicht zu Ende gedacht und oft ist die Arbeit dann umsonst. Allzuoft wird sich auf den Zufall verlassen mit der Hoffnung, dass sich Inhalte schon von alleine viral im Netzt verbreiten. Aber Viralität lässt sich von allen möglichen Distributionsformen am schlechtesten planen und voraussagen.

Eine systematisch geplante Content-Distribution beantwortet die kontextuellen Fragen nach dem Wo und Wann. Sie gibt Antworten an welchem Ort (Touchpoint) und zu welchem Zeitpunkt (Customer Journey Phase) ein Inhalt an die jeweilige Zielgruppe ausgespielt werden soll. Die dritte wichtige Frage nach dem Was wird in der Content-Konzeption beantwortet. Dazu werde ich mich aber in einem weiteren Beitrag auslassen.

Unternehmen sind gut beraten, wenn sie ihre Content-Distribution genau so gut planen und umsetzen wie den Content selbst, mit System und ganzheitlich gedacht!

Als großer Fan von systematischen Online-Marketing- und Content-Strategien entlang der Customer Journey sehe ich ähnlich wie der geschätzte Kollege Sascha Pallenberg in Onwed Media  das zentrale Element in der Content-Distribution. Nur so hat man volle Kontrolle über die Verwertung des eigenen Traffics.

Weiterführende Links zum Thema Content-Distribution

Weiterführende Links zum Thema Content-Distribution findest Du in Beiträgen hier im Blog:

Effektiver Content-Outreach durch Online-PR

oder bei weiteren Blogs und Magazinen:

Johannes Wobus zu Trafficgenereirung über Netzwerke

Studie der Kollegen von Suxxedo 

Whitepaper vom Content-Marketing-Forum

Beitrag vom Kollegen Marc Ostermann auf Zielbar

Beitrag auf simplilearn.com (englisch) 

Content-Distribution: Die Kunst der systematischen Verteilung von Inhalten im Content-Marketing
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Zu Olaf Kopp

Olaf Kopp ist Co-Founder, Chief Business Development Officer (CBDO) und Head of SEO der Aufgesang GmbH . Von 2012 bis 2015 war er Geschäftsführer.Als begeisterter Suchmaschinen- und Content-Marketer schreibt er für diverse Fachmagazine, u.a. t3n, Website Boosting, suchradar, Hubspot ... und war als Gastautor in diverse Buch-Veröffentlichungen involviert.Zudem engagiert sich Olaf Kopp als Dozent und Speaker für SEO und Content Marketing in Bildungseinrichtungen sowie Konferenzen wie z.B. der Hochschule Hannover, Norddeutschen Akademie, CMCx, Campixx…Er ist Mitveranstalter des SEAcamps und Moderator des Podcasts Content-Kompass auf termfrequenz.Olaf schloss 2006 sein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing und E-Business als Diplom Kaufmann (FH) ab und beschäftigt sich seit 2005 mit Social Media Marketing, Google AdWords sowie SEO. Seit 2012 stehen digitales Branding, Content-Marketing und semantische SEO im Fokus seines Interesses.

12 Kommentare

  • Lothar sagt:

    Ein sehr gut aufbereiteter Artikel. Da ich auf diesem Gebiet eher ein Neuling bin, wurde ich von der Fülle an Informationen beinahe erschlagen. Aber trotzdem hochinteressant.
    Bisher hab ich gedacht, dass die virale Verbreitung von Content über die Social Media das Nonplusultra ist. Habe aber jetzt einiges dazu gelernt.

    Vielen Dank!
    LG

  • Eine Aufarbeitung des Themas Content und Marketing auf akademischen Niveau. Bei der Fülle der angesprochenen Aktionsfelder werden SEO-Spezialisten und Texter gleichermaßen neue Aufgaben bekommen. Alles wir zunehmend datengetriebener und vor allem kanalübergreifender. Content und dessen Marketing werden zu zentralen Themen der ganzen Inbound Marketing Prozesskette werden. Chapeau Aufgesang Ihr geht da echt tief rein in die Themen und dies mit einer Systematik, die man nirgendwo sonst findet. Weiter so!

  • Lieber Olaf Kopp,
    vom ersten bis zum letzten Wort eine lohnenswerte Lektüre! Eine tolle Übersicht über alles, was man wissen muss zum Thema Content Distribution – und zugleich an allen wichtigen Punkten genug Details für eine erste Vertiefung. Man merkt, dass in diesem langen Text nicht nur sehr viel Wissen steckt, sondern auch der Willen und die Geduld zur verständlichen Aufbereitung. Kompliment und vielen Dank!
    Beste Grüße
    Kathrin Schirmer

  • Hallo Herr Kopp,
    vielen Dank für diesen exzellenten Beitrag!
    Noch ein Hinweis: wenn man den Beitrag via XING teilt, fehlt bei der Überschrift ein „t“ bei Content.
    Beste Grüße
    Marco Feiten | CURE S.A.

  • olaf,
    dein artikel geht soweit in die richtige richtung u. ich schreibe dir das, obwohl ich – wie dir bekannt sein duerfte – ein ordentlicher erbsenzaehler bin, wenn es eben um die praesi dieser oder jener strategien aus unserer geliebten szene geht.
    soviel dazu: ich finde es gut, dass man diese contentverteilungsschemata mal auch „offiziell“ bespricht, obwohl das thema bis vor einiger zeit ja eher in der „schmuddelecke“ zu finden war. passt! gefaellt mir! nur leider muss man hier weiter denken u. sich auch fragen, mit welchen (halb)automatismen man die sinnhaftigkeit oder die maerkte / zielgruppen der zu verteilenden inhalte staendig / dauerhaft gegenprueft. ich bevorzuge fuer sowas eine angedockte quercheckfunktion, die bspw. auf die hashtagreichweiten via instagram reagiert. ich glaube, dass ich das auf dem arbeitsblog – natuerlich auf „nerdisch“ *g* – beschrieben hatte u. zwar hier:

    https://www.pontipix.de/postzeitpunkte-bei-instagram/
    und – erweitert auf locations –
    https://www.pontipix.de/recherchen-via-locations-mit-hilfe-der-instagram-api/

    jmd. aus dem „netzwerk“ richtet bspw. auch seine SEM geschichten auf die relative reichweitenveraenderung v. tags je 24h aus (prozentuale veraenderung) u. hat derzeit erstaunlich gute laune …

    lg u. „weiter so“.
    johannes

  • Lieber Olaf Kopp,

    herzlichen Dank für die Erwähnung und Verlinkung meines Zielbar-Beitrags!

    Und ganz wichtig: Dieser Longread hier ist ein extrem starker Artikel. Kompliment!

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